Mittwoch, 27. August 2008

Selbstverständlich immer …rInnen!

Liebe Leserinnen und Leser,
geschätzte BesucherInnen,

besonders wertvolles Feedback finde ich jenes, wo es ganz direkt zur Sache geht. In diesem Fall von meiner lieben Schwester, die mir auch jene Fragen stellt, die sich andere nur denken. Sie meinte:

„Mich willst Du ja in deinem Blog offensichtlich nicht ansprechen. Ich bin eine Frau – und da geht es ja nur um Besucher, Mitarbeiter, Kollegen, usw. Da fühl‘ ich mich nicht adressiert.“

Danke, dass ich Ihnen mein grausames Dilemma der deutschen Sprache anhand eines Beispiels (aus dem Posting „Mitarbeitermotivation“) kurz erklären darf:

A ) „wenn der Mitarbeiter keine Motivation hätte, würde er es gar nicht ...“
B ) „wenn die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter keine Motivation hätte, würde sie oder er es gar nicht…“

In Variante A) laufe ich Gefahr alle Leserinnen und engagierten, sprachlich-politisch-korrekt denkenden Leser zu verscheuchen – das ist ganz schlecht.
In Variante B) laufe ich Gefahr alle Leser (das heisst "Leserinnen und Leser") zu verscheuchen, weil der Text so holprig und hölzern wird, dass Ihnen dabei die Lust vergeht – das ist ebenfalls ganz schlecht.

Meine Hoffnung baut auf Ihre Toleranz geschätze Leserinnen und Leser, nämlich um den Lesefluss hoch zu halten. Dabei adressiere ich immer Frauen und Männer gleichberechtigt. „menschen teams organisationen“ wäre sonst nur eine halbe Sache!

Ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich Ihnen – nur aus diesem Grund - eine Aneinanderreihung von …rInnen erspare.

Kommentare:

  1. DI Andreas Rainer27. August 2008 um 15:24

    Ach Jan, ist doch halb so wild:
    Wenn Deine Zielgruppe gendermäßig klar ist, so wie bei mir in der Praxis (80-85% Kundinnen in meinen Workshops und Trainings), steht nicht einmal mehr ein Binnen-I im Ausschreibungstext!
    Ansonsten lese ich für mich auch bei "Ein Seminar für TeilnehmerInnen mit Rückenschmerzen..." meine männliche Adressierung heraus.

    Allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs noch viel Spaß mit GENDER MAINSTREAMING und einen entspannten Abend,
    Andreas

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  2. hmm ... interessantes Thema das deine Schwester anspricht, vielleicht darf ich hier etwas dazulegen, das ich mir im Normalfall auch nur denken würde:

    Sprache ist immer (auch) Ausdruck von Werten! So ist es ist weder Zufall noch besonders verwunderlich, dass wir uns so schwer damit tun, in einer androzentrisch geprägten Gesellschaft eine Gleichberechtigung der Sprache zu finden. Einige Beispiele aus der Vergangenheit sind die Regelung zur "geschlechterneutralen" Formulierung von Gesetzestexten (bevor wir beide Geschlechter gleichermassen bedenken, lassen wir das lieber gleich ganz weg), oder aber auch die von mir besonders geliebte LeserIn (hier ist wenigstens die Frau ein Anhang zum Mann und nimmt somit die ihr zustehende Position ordnungsgemäß ein).

    Lieber Jan, so sehr ich deine Sorge um den Lesefluss verstehe: deine Lösung läuft trotzdem immens Gefahr eine derjenigen zu sein, die du in deinem Post vom 12.8. so eloquent beschreibst :-)

    Gleichberechtigte Formulierung ist nur dann besonders mühsam (aktiv wie passiv), wenn die dahinterliegenden Denkmuster nicht geändert werden. So könnte dein Beispielsatz auch so formuliert werden:"..wenn die in der Organisation beschäftigten Menschen keine Motivation hätten, würden sie ..."

    Gewiss, manch Managerin oder Manager würde die Erkenntnis, dass im eigenen Unternehmen tatsächlich Menschen arbeiten, wie der Blitz treffen, aber das ist dann wieder so eine Werte-Geschichte ...

    Und wegen der manchmal doch nicht zu vermeidenden Aneinanderreihung von Leserinnen und Lesern: Hier würde ich einfach auf Toleranz bauen, man(n) gewöhnt sich daran!

    lgm

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  3. lieber jan,

    eine charmante lösung ist es auch zu schreiben:

    ...wenn MitarbeiterInnen keine Motivation hätten, würden sie (dieses Mehrzahlwort birgt den Charme in sich) es gar nicht...

    die Frauen könnten sich so wiederfinden und der Textfluss würde nur manche Männer vielleicht stören.

    lg.eva

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  4. bleibt mir nur noch eine kleine anregung hinzuzufügen, nämlich varianten c und d und e:
    C) „wenn die Mitarbeiter keine Motivation hätten, würden sie es gar nicht ...“
    D) „wenn die Mitarbeiterin keine Motivation hätte, würde sie es gar nicht ...“
    und um martins gedanken kurz auszuführen E) „wenn mitarbeitende keine Motivation hätten.."
    das spiel ließe sich in unzähligen varianten weiter spielen, also sich selbst nur vor die schwarz-weiß wahl von A) und B) zu stellen, gilt nicht ;)
    special greez
    lg!n.

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  5. Ich bin eine Frau und mir ist es egal. Wenn ich mich angesprochen fühlen will, sind mir Wortendung einerlei.
    lg Ingrid

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