Mittwoch, 10. September 2008

II. Systemebenen des Projektmanagements

Das Ziel:
Die innovative Weiterentwicklung von Projektmanagement als (kollektive) Lösungskompetenz für neuartige, komplexe Aufgabenstellungen.

Zur Erkundung neuer Projektmanagementkonzepte, wollen wir zuerst unseren
Betrachtungsfokus öffnen. Dem hinterliegt ein universelles Lösungsmodell, dass bereits Albert Einstein trefflich formulierte:

„Man kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen lösen, die zu seiner Entstehung geführt haben.“


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Das Bild „Systemebenen des Projektmanagements“ legt einen ganzheitlichen Blick auf alle Systemebenen offen, die mit dem Projekt in Wechselwirkung stehen. Diese Darstellung erhebt den Anspruch, alle potenziellen Einflussfaktoren auf ein Projekt auf den Radarschirm mit auf zu nehmen. Sie umfasst eine Sicht auf eine Organisation in der Projekte statt finden, eingebettet in ihre Umwelten und die Gesellschaft als äußersten Kreis. Mit der systemtheoretischen Segmentierung nach Niklas Luhmann in Sach-, Sozial- und Zeit-Dimension lassen sich alle auftretenden Phenomäne und ihre Verlaufsdynamik verorten.

Falls Sie sich nun fragen: Was ist daran neu?
  1. Die (Linien-) Organisation wird nicht mehr mit den Projektumwelten vermengt. Sie ist eine eigenständige „Resonanzhülle“ des Projektes. (verstärkend, abschwächend oder voll durchlässig)
  2. Die Projektumwelten - klassisch die einhüllende Außenschicht des Projektes - haben eine Erweiterung erhalten: Gesellschaft. Nur so werden wir neue, relevante Komplexitätseinflüsse hinreichend adressieren können.
  3. Die Segmentierung in Sach-, Sozial- und Zeit-Dimension wird uns einen differenzierteren Zugang liefern als die Unterscheidung in "Hard Facts" & "Soft Skills".

Der erste Schritt ist geschafft:
Wir haben eine umfassende Landkarte für unsere Lösungssuche.

Kommentare:

  1. Lieber Jan, hier folgt mein Kommentar ohne Rücksicht auf Verluste, frei von der Leber weg. Die Systemebenen des Projektmanagements bringen für mich nichts Neues ein, außer dass sich hier jetzt der Begriff "System" einschleicht. Mein altes Patzak, Rattay Buch kennt zwei Einflussgrößen auf das Projektumfeld: organisatorisch-soziale und sachlich-inhaltliche. Zeitliche - naja. Die Zeit ist ja ohnehin in Projektphasen abgebildet. Und die grafische Darstellung des Projektumfelds aaO. listet u. a. auf: Behörden, Medien, Mitbewerber und natürlich das Team, die Organisation, Kunde etc.

    Die Darstellung als Radar-Schirm erschwert IMO eine praktische Anwendung. Wo stelle ich ein ein Projekt dar, das die selben Ressourcen benötigt, wie ich?

    Summarizing: damit kann ich nicht viel anfangen - was ja nicht heißt, dass es sich nicht verkaufen ließe. (oliver)

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  2. Lieber Jan

    Auch mich beschäftigen Deine Fragen seit langer Zeit. Letztendlich geht es um die Frage nach besseren Projekten. Deine Projektebenen sind natürlich nicht falsch. Allerdings kann ich für meinen Teil daraus kaum neue Perspektiven gewinnen.
    Einen ersten entscheidenden Input für meine Landkarte für systemisches Projektmanage-ment bekam ich vor vielen Jahren schon im Buch „Prozesskompetenz in Projektarbeit“ von Mayrshofer und Kröger (Windmühle GmbH Verlag), Hamburg). Sie unterscheiden 4 Ebe-nen der Prozessgestaltung: den Produktentstehungsprozess als Basis; übergeordnet dar-über den Projektmanagementprozess; den Teamentwicklungsprozess und den Entschei-dungsprozess. Mit diesen Differenzierungen kann ich nun zahlreiche unterschiedliche Per-spektiven gewinnen: So kann ich z.B. Rollen/Schwerpunkte zuordnen: Ich stelle fest, dass auf den Produktentstehungsprozess in IT Projekten insbesondere zahlreiche Engineering Fachleute, wie Software Entwickler, System Architekten usw. fokussiert sind. Der Projekt-managementprozess ist die Domäne der Projektleiter und des Projectoffice-Staffs. Aber wer fokussiert den Teamentwicklungsprozess? Wer gestaltet die Entwicklung des sozialen Systems Projektteam? Und nicht selten sind sogar die Entscheidungsprozesse stiefmütter-lich behandelt. Obwohl Projekte eigentlich nichts anderes sind, als die Aneinanderreihung von Entscheidungen. Nicht wahr?
    Übrigens gibt es eine ähnliche Form dieser Prozessebenen auch bei Andreas Huber und Beate Kuhnt vom Schwerpunkt Mensch Informatik Organisation (Institut für Informatik der Uni Zürich) siehe unter: http://www.ifi.uzh.ch/mio/. Sie lassen die Dimension der Entscheide weg und sprechen von Produktentwicklung, Management und von sozialer Führung. Sie verstehen ein Projekt, ganz im Sinne der neueren Systemtheorie, als eine Aneinanderrei-hung von Kommunikationsereignissen (sie nennen es eher einen kommunikativen Raum, den es zu gestalten gilt). Das öffnet bei der Projektführung neue Perspektiven, weil das Stakeholdermanagement eine viel weitergehende Bedeutung bekommt. Systemische Pro-jektführung heisst dann kommunikative Räume gestalten und Kontextmanagement. Einen ersten Überblick darüber gibt Ihr Beitrag „IT-Projekte als soziale Systeme – Konsequenzen für den Umgang mit Krisen“ in Turnaround-Management von IT-Projekten (Hrsg.: Christian Setzwein und Monika Setzwein, erschienen im dpunkt verlag, Heidelberg).

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  3. Hi Jan,

    für mich hebt die Sache ab, in viel zu abstrakte Sphären und es werden künstliche Denkwelten für Meta-Ebenen-Turner kreiert. Das Stichwort für Problemlösungen liegt - wie im Individuellen - in der HANDLUNGSORIENTIERUNG von Lösungsansätzen. Und zwar umso mehr, je komplexer das Thema ist.

    Ich sehe übrigens auch keinerlei wirklich neuartige Aspekte in der "Reibung" zwischen Linie und Projektmanagement, denn letztlich ist es banal: Egal, wie die Organisation "statisch" aufgestellt ist, aus einer gewählten Arbeitsteiligkeit entsteht für bestimmte andere Aufgaben ein "Quer-Drüber"-Bedarf. Das ist so sinnvoll wie unvermeidlich.

    Ich fürchte, man kann Dinge auch intellektuell überhöhen.

    lg, Ernst

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  4. Ich freue mich sehr über diese Kommentare und die Intensität der Auseinandersetzung.

    Das Thema hat offensichtlich einigen Entwicklungsstoff in sich. Oder zumindest beschäftigt es Organisationen, Projektmanager und Berater in ihrer täglichen Praxis.

    Die wichtigen Themen wie: der Anschluss an bestehende Theorien und Konzepte, Quervernetzungen zu neuen Modellen die ähnliche Problemfelder aufgreifen sowie die Praxisrelevanz für die folgliche Ableitung von (neuen) Interventionen statten die angestellten Überlegungen mit konkreten Interessen aus.

    Lassen Sie uns also dran bleiben...
    ...und vielen Dank für die Mitgestaltung in der Denkwerkstatt.

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  5. Ja, ich denke, die Fragestellungen, i.e. die natürlichen Reibungsflächen in Projektabwicklungen, beschäftigen tatsächlich Betroffene in den Organisationen. Abstraktionen von Problemstellungen haben nur einen Sinn, wenn sie in weiterer Folge direkt wieder zu Konkretisierungen führen (und Handlungs-Ideen!). In dem diskutierten Themenfeld besteht kein Defizit an oder in Denkmodellen. Just my 2 cents worth. ;o)

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