Sonntag, 23. November 2008

Komplexitätsreduktion

Die Gefahr der einfachen Abkürzungen

Mein Originalartikel über "Komplexitätsreduktion" ist erschienen in "DerStandard" (print) von 22./23.11.2008.


Unsere Gesellschaft entwickelt sich mit rasant wachsender Komplexität. Die Dynamiken global vernetzter Märkte, Informationen und sozialer Netzwerke nehmen zu. Was liegt daher näher, als im Unternehmensalltag ein Stück dagegen zu steuern. Ist Komplexitätsreduktion die neue Königsdisziplin für Führungskräfte, oder eine gefährliche Abkürzung?

* Beim Individuum beginnt alles. Menschen sind komplex und in ihren Reaktionen nicht vorhersehbar. Verabschieden sie sich vom Bild einer gezielten Steuerbarkeit von Mitarbeitern. Betrachten sie alle Kommunikationsformen mit einem Unsicherheitsfaktor. Sie werden nur selten genau das bewirken, was sie vor hatten. Lernen sie mit natürlichen Nebeneffekten wie Fehlinterpretation, Widerstand und Gerüchten umzugehen. Rechnen sie mit einer immer rasanteren Verbreitungsgeschwindigkeit von Informationen, u.a. durch Web 2.0. Antizipieren sie diese Effekte bei ihrer Kommunikation. Das gibt ihnen Weitblick, erhöht die Klarheit ihrer Botschaften und stabilisiert ihre Wirkung.
* Teams sollen oft neuartige, komplexe Problemstellungen lösen. Sie können diese Aufgabe zwar mit Prozessen steuern oder mit Tools und Methoden bearbeiten, aber jede dieser Maßnahmen eröffnet neue Komplexität. Etablieren sie in Teams Spielregeln und Best Practices. Seien sie aber nicht verleitet, Hilfsmitteln zu viel Glauben zu schenken. Kreative Lösungen entstehen nicht aus reproduzierten Routinen. Definieren sie unbedingt Ziele und Erfolgsfaktoren und akzeptieren sie Fehler, solange die Quote an Lösungen hoch bleibt. Fördern sie gutes Arbeitsklima, Selbststeuerung und Lösungsfokus in ihren Teams. Das Ziel ist das Ziel – nicht der Weg.
* Für Organisationen wird professionelles Improvisieren immer wichtiger. Lassen sie sich nicht zur regelmäßigen Komplexitätsreduktion verleiten. Führungskräfte brauchen – so paradox das ist – einen sicheren Umgang mit Unsicherheit. Fördern sie ganzheitliches, potenzialorientiertes Denken und gleichzeitig die Achtsamkeit für Details. Steigern sie die Beobachtungsfähigkeit von Veränderungstendenzen ihrer Märkte, Geschäftsentwicklung, Kundenzufriedenheit und Unternehmenskultur. So können sie große Chancen und Risiken früh beeinflussen. Und treffen sie trotz aller Komplexität viele Entscheidungen, die sie klar kommunizieren.


Sonntag, 16. November 2008

Twitter for Business

Tweety-was? Wozu Kurznachrichten schreiben? Was ist Microblogging?

...ein Bloglayout in 6pt Schrift?
...ein neuer SMS Dienst?
...eine Blogansicht auf dem iPhone Display?
...ein öffentliches Messaging mit ultrakurzen Postings? * BINGO *

Die wichtigste Microbloging-Plattform ist wahrscheinlich "Twitter". Mit ca. 1.000.000 Messages
pro Tag, à maximal 140 Zeichen, mehreren Millionen Usern und einer dreistelligen Wachstumsrate.
Derzeit ist Twitter jedoch für...
  • enorm viele (noch) ein unbekannter Begriff
  • sehr viele eine Spielerei von Internet-Nerds
  • nennenswert viele eine wichtige Kommunikationsform
  • einige wenige ein strategisches neues Medium (zB Barack Obama)


Nun, so viel sei über Twitter verraten:
Es geht nicht vorrangig darum, der Welt mit zu teilen, was es heute zum Mittagessen gibt!

Wer gerne relevante Informationen zu "Twitter for Business" wissen möchte, kann sie in diesem Video (*) in ca. 30 min erfahren. Von allgemeinen Funktionen bis zur Unternehmenskommunikation, PR, Custumer Services, Marktforschung, etc. werden hier neue Formen der Kommunikation erläutert.

Join the Twitter community, follow me on Twitter.

*) Sarah Milstein ist Web 2.0 Consultant und frühere Chief Publishing Evangelist O’Reilly Media.

Nachtrag: siehe auch 77 ways Twitter could make money!

Freitag, 14. November 2008

Networking Punsch-o-Rama

Das vorweihnachtliche Treiben hat auch diese Saison wieder offiziell begonnen. Einige der vielzähligen Weihnachtsmärkte haben dieses Wochenende schon eröffnet. Daraus gilt es das Beste zu machen…

Zeit für das erste Wiener „Networking Punsch-o-Rama“ – eine Art OpenSpace am Weihnachtsmarkt!


Die „Punsch-o-Rama“ Regeln sind ganz einfach:
(in Anlehnung an Open Space)
  • Organisiere Dir bitte zu allererst selbst dein Häferl Punsch oder Glühwein.
  • Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute. 5 oder 50, egal. Jeder ist wichtig und motiviert.
  • Was auch immer geschieht, es ist das einzige, was geschehen konnte. Ungeplantes und Unerwartetes ist kreativ und nützlich.
  • Es beginnt, wenn die Zeit reif ist. Wichtig ist vor allem die Energielage (nicht etwa Pünktlichkeit)
  • Vorbei ist vorbei - Nicht vorbei ist (noch) Nicht-vorbei. Wenn die Energie (oder der Punsch) zu Ende sind, ist die Zeit um.
  • „Freunde von Freunden sind Freunde“. Also laden Sie gerne gute Bekannte ein, die beim Networking Punsch-o-Rama mitmachen wollen.
Treffpunkt
Dienstag 25. November ab 18.00h
im Wiener Museumsquartier beim Eispalast
(bei jedem Wetter)

Ich freue mich sehr auf Ihr Kommen.

Montag, 10. November 2008

Web 2.0 - Information & Evolution

Über Web 2.0 wird täglich viel geschrieben, geblogged, getwittered…
Gigabytelawinen an Prosumer Content werden täglich im Web 2.0 neu generiert. Der größte Teil davon wird in unkontrollierbarer Kommunikation am Erdball verteilt (so das geht). Im Marketing insbesondere der Werbung oft als „viral“ bezeichnet. Durch Barack Obamas gelungenes Campaigning ist diese „neue“ Kommunikationsform nun auch mit einer erhöhten Öffentlichkeit ausgestattet.


Für das Individuum ist vor allem der Schritt der zeitökonomischen „Selektion“ eine große Herausforderung - Ok, sagen wir: ein Problem!
Für Organisationen gleichzeitig eine strategische Fragestellung:

„Wie möchte ich im Web 2.0 interagieren?“

Web 2.0 als neues Verbreitungsmedium von Kommunikation (mit der Erfindung der Schrift und dem Buchdruck vergleichbar) stellt unsere Gesellschaft vor völlig neue Herausforderungen. Jedes neue Verbreitungsmedium konfrontiert Menschen, Organisationen und damit die Gesellschaft mit neuen und überschüssigen Möglichkeiten der Kommunikation, für deren Domestizierung und selektive Handhabung die bisherige Struktur und Kultur unserer Gesellschaft noch nicht gerüstet ist. (Siehe dazu *)

Wir können also davon ausgehen, dass wir – als Gesellschaft – diese Frage in den nächsten Jahren als einen unserer größeren evolutionären Lernschritte bezeichnen sollten. Die aktuell vorhandene Medienkompetenz ist jedenfalls bei weitem nicht mehr adäquat für die aktuell bereits vorhandenen Informationstechnologien, und diese Schere wird in den nächsten Jahren noch weiter aufgehen – mit ihr die Generationenthematik.

Was sich für derartige Veränderungen in der Natur des Lebens als evolutionär überlebensfähig herausstellte ist unter anderem das Konzept des Spielens. Durch spielerisches Lernen können wir neue Fähigkeiten besonders gut erschließen. Nur Achtung! …sehen Sie sich zum Beispiel Kinder und Jugendliche im Internet an – die Sache kann extrem zeitaufwändig werden.

Unternehmen, die nicht selbst in einen erfahrungsbasierten Know How Aufbau investieren, leisten sich zunehmend Expertenberatungen im Web 2.0 Kontext. Damit wird das harte Trainieren und Spielen eher den Profis überlassen. Auch ein ganz gutes Konzept, wie wir aus dem Sport wissen. Nur werden die eigenen Kompetenzmuskeln dabei sehr wenig aufgebaut.

Fragt sich nur noch, wer die vielen Menschen dabei unterstützt, zeiteffizient ihre individuelle Medienkompetenz zu erneuern? Da haben wir noch einiges vor uns...

(*) aus: Rudi Wimmer (2008) „Organisationsberatung als Intervention“, und
Dirk Baecker (2007) „Studien zur nächsten Gesellschaft“

Dienstag, 4. November 2008

Drehen Sie Ihren eigenen Film!


Lassen Sie mich Ihnen kurz aus einer persönlichen Erfahrung berichten…

„Desaster“, „Panik“, „Finanzkrise“, „Totalabsturz“, „Gemetzel“, „Vertrauensverlust“, „Angst“, „Talfahrt“, „Massenhysterie“, „Wirtschaftskrise“, „Rezession“… Nur ein paar flockige Begriffe der letzten Wochen, die auf meine Wahrnehmung leider regelmäßig einprasseln durften – sehr ätzend!
Die aktuellen Entwicklungen sind zweifelsohne relevant für uns alle, aber schlussendlich ertappte ich mich schon fast dabei zu denken:
„OK, vielleicht sollte ich mich auch in die kollektive Depre(ze)ssion einstimmen?“

Es ist schlimm genug, wenn hart betroffene, tief involvierte Menschen neue Wege und Lösungen suchen (müssen) und das gilt es auch zu unterstützen. Was aber bringt es, wenn eine große Masse an Stimmung durch jene entsteht, die dazu gar keinen nennenswerten Anlass hätten. Angst ist ein schlechter Wegbegleiter und kritischer Einflussfaktor auf unser Handeln.
So wurde mir bald klar, was so eine Entscheidung an Konsequenzen mit sich ziehen könnte:
selektive Wahrnehmung negativer Ereignisse… Bestätigung pessimistischer Prognosen… Angstzuwachs… Anziehung auf Personen mit negativer Stimmung… Problemtrance… Abwärtsspirale…

„Danke – nein!“

Nun ist es mir gelungen, die Sache eher anders als „Mainstream suggeriert“ zu betrachten. Ich finde es wesentlich inspirierender in Lösungen, Chancen und Lernmöglichkeiten zu investieren und statt überflüssigen Nachrichten mehr gute Musik zu hören.

Folgende Einflussfaktoren waren dabei besonders hilfreich:
  • Ein Umfeld von frischen, humorvollen Menschen
  • Die persönliche Fokussierung auf herausfordernde Zielsetzungen
  • Drastische Reduktion meines Nachrichten- und Medienkonsums
  • Eine sonnige Herbstumgebung mit wunderbarem Naturbezug
  • Der Genuss von Dingen, die mir Freude bereiten
  • Viel emotionale, zwischenmenschliche Interaktion


Der Sänger heisst zufällig auch Jan.

Wenn ein Regisseur den ganzen Tag Schrottplätze filmt, wird er sich schwer tun, am Ende des Tages daraus eine romantische Liebeskomödie zu machen!“ sagte mir mal Dr. M. Spitzbart – sehr einleuchtend. Das heißt, es ist unsere Entscheidung, welche Eindrücke wir rein lassen, verstärken und worauf wir unseren Wahrnehmungsfokus richten.

Drehen Sie ihren eigenen Film… Probieren Sie den Chancenseherautofokus!