Mittwoch, 30. Dezember 2009

"Viel Glück im neuen Jahr!"

...das ist so oft und so leicht gesagt, doch was könnten wir uns dabei denken?

Ich lade Sie zu einem philosophischen Neujahrsgruß ein:


Viel Glück im neuen Jahr!

Ist "ein" Glück nicht genug zum glücklich sein?

Oder brauchen wir doch besser: "viel"?
Schließlich ist "viel" und besser vielbesser.
Und "viel" klingt auch sehr viel-versprechend.

Aber wieviel ist denn "viel" Glück?
Womöglich ist "viel" gar nicht tragbar?
Etwa sogar mehr als man braucht?
Wäre "viel" denn am Ende unbescheiden?

Und was machen wir mit dem vielen Glück aus dem Vorjahr?
Aufheben? Dann hätte ich schon eines fürs neue Jahr.
Aber kann ich es auspacken, wenn ich's brauche?
Und verstaubt es inzwischen oder wird's rostig?

Könnte jemand anders dieses Glück rauben?
Wenn ich gerade… schlafe zum Beispiel?
Und bleibt die Verpackung dann liegen?
Gibt's dafür einen Versicherungsschutz?

Sollten wir das Glück dann nicht besser gleich einsperren?
Aber wie weiß ich dann, ob's noch da ist?
Vielleicht indem ich das halbe Glück mitnehme?
Macht mich die fehlende Hälfte dann ganz unglücklich?

Womit kann ich mein Glück eigentlich abmessen?
Damit ich weiß, ob es viel ist?
Oder ob noch etwas für mich da ist?
Ob ich jetzt gerade Zeit hab für Glück?

Und was, wenn ich gerade jetzt einen Augenblick Glück habe?
Kann ich das Glück erkennen und achtsam genug sein?
Und könnte dieser Augenblick scheinbar ewig dauern?
Ist alles Glück immer in jedem Augenblick?

Was ist dann noch der Unterschied zwischen Glück,
Liebe, Licht, Gott und dem Universum…?


I wish You, a year full of Sunshine!

Jan A. Poczynek

Creative Commons License
Beitrag von Jan A. Poczynek steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Mittwoch, 11. November 2009

Kommunikation... Schnell

Wie schätzen Sie die Geschwindigkeit Ihrer Kommunikation ein?
Sind Sie eher schnell?



Ein neues Maß für 'schnell'
Ob Sie nun eine Einzelperson, eine Gruppe von Leuten, ein Team oder eine ganze Organisation in ihrer Kommunikationsgeschwindigkeit betrachten, das neue Maß für schnell ist Kommunikation in "Echtzeit".

Social Media = persönliche Kommunikation (auf Distanz)
Natürlich enthalten Social Media und das Web 2.0 andere Aspekte der Interaktion, aber was ihre Geschwindigkeit betrifft erreichen sie die Qualität der persönlichen Kommunikation in "Echtzeit". Nur mit dem Unterschied, dass viel mehr Personen in diese Kommunikation involviert sind.

Wenn Schnelligkeit zählt...
In Zukunft werden wir nicht mehr über schnell oder langsam kommunizierende Menschen, Teams oder Organisationen sprechen. Live- und Streaming-Medien haben nur das Limit der Schall- und Lichtgeschwindigkeit.

In Zukunft sind Kommunikationen entweder Jetzt oder Geschichte.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Digital Mindshift I

Hat sich Ihr Kommunikationsverhalten in den letzten Jahren verändert? Stellen Sie sich vor, auf Ihr Mobiltelefon und Emails verzichten zu müssen! Wo würden Sie heute stehen?

Die zukünftige Auswirkung von Web 2.0 und Social Media wird noch viel radikaler eingeschätzt. Experten sind sich einig: die jetzt stattfindende Veränderung ist gravierender als die Erfindung des Buchdruckes. Internetmedien von Facebook, Xing, Myspace und Twitter bis Youtube, Wikipedia, Flickr und Delicious, um nur einige wenige zu nennen, sind aktueller Status Quo der Digital Social Networks.




Die neuen Möglichkeiten der globalen Vernetzung von Informationen, Medien und allen involvierten Teilnehmern in Echtzeit werden unsere Gesellschaft grundlegend verändern, und damit Unternehmen, Kollaborationsformen, Teamarbeit, Organisationsformen und das private Kommunikationsverhalten jedes Einzelnen.


Davon ist nicht nur der Austausch privater und beruflicher Informationen betroffen. Alle bisher erfundenen Medien – wie Film, Fernsehen, Telefon, Radio, Email, Musik, Video, etc – fließen in einem digitalen Medium zusammen, das allen zugängig ist – dem Internet. Klassische „Sender-Empfänger“ oder „Produzent-Konsument“ Modelle verschmelzen zum „Prosumer“. Gleichzeitig sinkt die technologische Eintrittsschwelle laufend. Einen Effekt, für den früher eine Fernsehanstalt, Nachrichtenagentur, Filmteam und spezialisiertes Equipment notwendig waren, kann heute EIN Mensch mit seinem Mobiltelefon erreichen: z.B. ein Live-Video aus einem Kriegsgebiet aus zu strahlen, das weltweit Millionen Seher erreicht.


Das gilt auch für (zukünftige) Wertschöpfungsprozesse, Innovationen und Ressourcenpotenziale unserer Wissensgesellschaft.
Oder wie es Chris Anderson auf den Punkt bringt:
„Don’t underestimate the power of one million amateurs, who have a key to the factory.“


Wir reden hier nicht nur über ein Generationenthema, nicht über ein paar Lifestyle-Phantasien der Digital Natives, nicht über einen Hype und nicht über technologische Entwicklungen. Wir haben es vermutlich mit nichts geringerem zu tun, als der bisher größten strukturellen Veränderung der Gesellschaft.

Der Digital Mindshift begleitet und unterstützt die Evolution unserer Kommunikation.


Dienstag, 29. September 2009

Was passiert da gerade?

Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, warum Menschen gewisse Dinge tun...
...ja, bestimmt.

Haben Sie sich auch gefragt, warum Menschen auf einmal etwas tun, das sie zuvor noch nie getan haben...
...ja, wahrscheinlich auch.

Aber haben Sie sich auch gefragt, was es bedeuten könnte, wenn auf einmal abertausende Menschen solche "Dinge tun"...
...etwa Flashmobs!?



Flashmob Chicago - Black Eyed Peas "I gotta Feeling" for Oprah Winfrey

Ganz ehrlich: Mich beschäftigt das! Warum gibt es dieses Phänomen jetzt - seit wenigen Jahren? Und warum nicht schon viel länger?

Liegt es daran, dass unsere Gesellschaft neue Kommunikationsfähigkeiten entwickelt hat und der "Schwarm" erstmals in seiner gesamten Intelligenz übt und lernt sich zu formieren...
...ja bestimmt.

Flashmobs sind ein wunderbares Phänomen der Emergenz.

Was hat das mit Beratung zu tun?
Das Video zeigt nicht ein Live-Konzert. Es geht nicht (nur) um Unter-haltung.
Das ist im weitesten Sinne eine Großgruppen Intervention. Diese Aktion ist wohl geplant, vorbereitet und begleitet worden.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten die hier entstehende Qualität: Motivation, Aufmerksamkeit, Freude, Synchronisation, Vergemeinschaftung und Energiepegel
für nur 5 Minuten in Ihrem Unternehmen erreichen.

Was würde eine Intervention dieser Qualität in Ihrem Unternehmen in Bewegung setzen...?

Freitag, 18. September 2009

„Managing Cuts and New Growth“

Meine Buchrezension wurde erstmals im Heft 5, Sept. 2009 mit dem Schwerpunkt „Transnationale Utopie?“ in der Revue für Postheroisches Management veröffentlicht:

(c) Revue für Postheroisches Management

Warum sollten Sie eine Rezension über ein englisches Buch lesen, dessen deutschsprachiges Original bereits vor mehreren Jahren erschienen ist? Zeitgemäße Zeitlosigkeit. Übersetzte Internationalität. In Zeiten der Krise re-aktualisiertes Changemanagement. Was möchte ich damit sagen …?

Dieses Buch ist für Berater und Führungskräfte gleichermaßen interessant. Als ich vor fünf Jahren Harte Schnitte Neues Wachstum gelesen habe, war meine Perspektive noch die einer Führungskraft in Mitten eines strategischen Changeprojektes. Das neue Werk ist mit der Brille eines Organisationsberaters genauso hilfreich und vor allem aktueller denn je. Es gibt einen
gründlichen Überblick zur Thematik der Transformation von Organisationen und ausreichend Anknüpfungspunkte, um einen Praxistransfer zu ermöglichen.

Erschienen bei Goldegg Verlag, Wien 2008

Im Fokus stehen die Veränderungstypen der »Unbalanced Transformation«, die von diametralen Zielsetzungen – nämlich von »Cuts and Growth« zur gleichen Zeit – bestimmt sind. Dieses höchst anspruchsvolle Spannungsfeld gilt es, als Lösungsraum zu erkennen und dann in all seiner Komplexität gezielt zu steuern. Dafür werden zuerst Landkarten, Indikationen und Beispiele erklärt. In Folge sind die Unterschiede der beiden Modi der Schnitte und des Wachstums beschrieben und werden dann mit verschiedenen Architekturen, Designs und Interventionen bearbeitbar gemacht.

Den Autoren Barbara Heitger und Alexander Doujak ist in ihrem Buch Managing Cuts and New Growth dazu mehreres sehr gut gelungen. Zuerst ist das eine Positionierung von systemischer Beratung abseits des Schönwetterflugs und sozialer Workshopromantik, die systemischen Ansätzen teilweise leider immer noch anhaftet. Weiterhin liefert die Einhaltung einer mittleren Flughöhe zum Themenkomplex einerseits guten Überblick und konkrete Landkarten für das Changemanagement und andererseits gut sichtbare Vertiefungen und Details. Es handelt sich insgesamt um einen überzeugenden Mix an Modellen, Methoden, Praxisbezügen, Fallstudien bis hin zu Interventionen. Besonders gelingt es durch eigene Kapitel, sowohl auf die
Emotionen und Gefühlswelten in Veränderungsprozessen Bezug zu nehmen, als auch Businessfakten und die Macht der Zahlen in ihrem hohen Stellenwert zu bestätigen. Die beschriebenen Gedanken von involvierten Personen am Ende einiger Kapitel skizzieren die Phasen der Veränderung in ihrem Kernwesen und runden das Bild sehr treffend ab.

Originalartikel - Rezension als PDF.

Dienstag, 18. August 2009

Entfaltung ist Wachstum

Ein starker Anfang, den Martin Herget (*) in seinem neuen Blog "Entfaltung ist Wachstum" vorlegt. Da kommt beim Lesen Spannung auf...

Foto (c) Martin Herget

Von Kafka über das Lachen unserer Babys, zu gefangenen Elefanten, unserem eigenen Lachen, Schwammerln zur Weltrettung und weiteren Inspirationen - es sind Mentale Modelle, erweiterte Perspektiven und alternative Handlungsmodelle, die Martin Herget aufmacht und illustriert. Für interessierte, reflektierende Leser wirken seine Postings wie ein Online Coaching oder erfrischend erheiternde Leseeinheiten. Und als passionierter (Hobby-) Fotograf stellt Martin eigenes Bildmaterial ein, das visuell sehr wuchtig rüber kommt.

Ein neuer Blog den man gespannt verfolgen darf...

* Martin Herget ist Executive Coach, Berater und Querdenker aus Wien und ein wunderbarer Freund.

Mittwoch, 12. August 2009

Virtuelle Teams

Wenn ein angehender Pilot im Flugsimulator mit 520mph Restgeschwindigkeit auf einer Wasseroberfläche aufknallt, dann passiert… gar nichts. Ja OK, er hat wahrscheinlich erhöhte Pulsfrequenz. Der Simulator gibt ein Protokoll aus, wird wieder auf Startbereitschaft initialisiert und der Pilot versucht es erneut. Es war nur ein virtueller Trainingsflug.


Echte Herausforderungen
Komplexe internationale Projekte, transnationale Unternehmen, Mergers and Akquisitions, Pionierleistungen oder ähnliche benötigen eine spezielle Form der Teamarbeit. Darin sind viele Aspekte zu finden wie etwa…
  • Echte Ambitionen
  • Echte Benchmarks
  • Echte Checklisten
  • Echte Dokumente
  • Echte Ergebnisse
  • Echte Fehler
  • Echte Gehälter
  • Echte Honorare
  • Echte Internetverbindung
  • Echter Jet-Lag
  • Echte Konflikte
  • Echte Kulturdifferenzen
  • Echte Länderspezifika
  • Echte Menschen
  • Echte Notebooks
  • Echte Projektmanager
  • Echte Prioritäten
  • Echte Reportings
  • Echte Sprachbarrieren
  • Echte Telefonkonferenzen
  • Echte Visionen
  • Echte Wirtschaftlichkeit
  • Echte Zeitzonen
  • Echte Ziele
Warum sollte man eine Kollaboration mit geografisch verteilten Teilnehmern „Virtuelles Team“ nennen? Dieser Begriff ist falsch. Tatsache ist, dass wir unser persönliches Bedürfnis nach Feedback – durch Menschen gegenüber – in dieser Arbeitsform viel schwieriger erfüllt bekommen, und das verunsichert tendenziell. Weiters haben wir es oft mit sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und lokalen Ansprüchen zu tun – das macht Projekte dieser Art höchst Herausfordernd. Aber trotz all dem:

Das erzeugt echte Emotionen. Und dort sind die Hebel.

Dienstag, 11. August 2009

Vergessen Sie Ihr Organigramm!

Organigramme stimmen nie mit der Realität von Unternehmen überein und limitieren Ihr Vorstellungsvermögen!

Ihre Ursprünge sind in den geometrischen Orientierungsplänen der Antike genauso zu finden, wie in jenen von Klosteranlagen. So gibt etwa der St.Galler Klosterplan anno 826 (Codex Sangallensis) einen klaren Überblick: Wer, Wo, Wie zur Wirkung kam.

* Als Visualisierung von funktionalen Arbeitsteilungen und Kommunikationswegen versuchen Organigramme etwas Ähnliches und sind in ihrer Methode daher über 1000 Jahre alt.
Betrachten wir kurz den neueren Wandel von Organisationstypologien. D.h. nicht die Reorganisation einzelner Unternehmen im Sinne von Changemanagement, sondern die Entstehung neuer Organisationsformen. In diesem Zusammenhang ist die strukturelle Kopplung durch Kommunikation die wesentlichste Betrachtungseinheit. Wenn man die Entwicklung der Kommunikation und der zugehörigen Medien der letzten 30 Jahre betrachtet, sollte es nicht überraschen, dass Organisationsformen die ihre Hochblüte im Taylorismus entwickelt haben nicht mehr den aktuellen Stand unserer Gesellschaft widerspiegeln können. Etwas mehr soziale Dynamik ist angesagt.

Genauso ist das Phänomen der Digitalen Sozialen Netzwerke ein Vorbote neuer Strukturformen. Die Evolution neuer Organisationstypen entsteht förmlich aus einer "frei beweglichen Modelliermasse von Ressourcen" aus der sich dynamisch neue Konstrukte herausbilden und wieder auflösen.


(c) Flight404 @ VIMEO

Eines steht fest: heutige Organigramme sind lahme Krücken aus dem Mittelalter, die unsere visuelle Assoziationsfähigkeit in die Irre (Statik) führen. Neue Organisationstypen werden sich ihre Formen zwar erst suchen müssen, aber ich bin überzeugt, dass Organisationen in Zukunft eher mit dynamischen Modellen von Flüssigkeiten, Partikelwolken oder Magnetfeldern zu beschreiben sein werden, als mit vergilbten Statikplänen von Backsteinbauten mit eingravierten Namenschildern...  bzw. dokumentiert auf PowerPoint Folien.
.

Dienstag, 4. August 2009

Twitter killed the Radio Star

Bob Pittman wurde von vielen Medien-Profis für verrückt erklärt oder milde belächelt, weil er eine TV-Station gründen wollte, die ausschließlich für die Ausstrahlung von Musikvideos konzipiert war. Das war Anfang der 80er.

1. August 1981 – mit einer wohl überlegten, siegessicheren Botschaft - geht MTV mit dem ersten Video on air:
„Video Killed The Radio Star“ (The Buggles)

Der Text in diesem ersten Musikvideo lautet auszugsweise:
…Rewritten by machine and new technology,
and now I understand the problems you can see.
I met your children. What did you tell them?
Video killed the radio star…

Radio gibt es zwar noch immer, aber das gesamte Musikbusiness hat sich von diesem Tag an für Künstler, Produzenten und Plattenlabels radikal verändert. Mitte 70er bis Mitte 80er Geborene werden als „Generation MTV“ bezeichnet. Marketingstrategien wurden neu geschrieben. Hollywoodproduktionen mussten ihren Stil verändern, um den visuellen Ansprüchen des MTV-Publikums gerecht zu werden. Eine kleine Subkultur genannt Hip Hop wird zur Mainstreamlawine. Ein Video wie Madonna’s „Like a Virgin“ löste eine internationale, blondgefärbte Dauerwellenhysterie aus. Eine Bandleader wie U2’s Bono Vox wird als Identifikationsfigur wichtiger als Staats- und Parteichefs, u.s.w.



Etwa eine Generation später…
Stellen Sie sich vor, etwas Ähnliches könnte gerade während Sie das lesen schon wieder passieren. „Ähnliches“ deshalb, weil wieder völlig neuartig und von seiner globalen Auswirkung erst vage abschätzbar. Von Vielen bereits als eine radikale Veränderung unserer Gesellschaft und der Kommunikation im 21. Jahrhundert beschrieben...

21. März 2006, mit „just setting up my twttr“ – einer sehr simplen Botschaft – startete eine neue Kommunikationsära.

Evan Williams (CEO Twitter) und Biz Stone (Co-Founder) – von vielen Medien-Profis und Telekommunikationsexperten für verrückt erklärt, weil sie einen „microblogging“ Dienst eröffnen, der ausschließlich für 140 Zeichen lange Online-Textnachrichten konzipiert ist.

Überprüfen wir besser unsere Mentalen Modelle:
  • "...das kann ja nichts werden."
  • "...wiedermal eine Eintagsfliege."
  • "...eine Spielerei für Jugendliche."
  • "...wer soll soetwas brauchen."
  • "...reine Zeitverschwendung."
Vielleicht fallen Ihnen ja noch weitere ein?
Und da fällt mir noch eine letzte Textstelle aus diesem Nostalgievideo auf:
We can't rewind, we've gone too far...

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Sonntag, 26. Juli 2009

Philosophische Reflexion - von Bionik und Leadership

Auf meinem Weg zu einem Kunden fahre ich immer wieder in Niederösterreich an wunderschönen Sonnenblumenfeldern vorbei. Tausende bemerkenswerte Heliotropen (*) haben mich daher zu diesem Posting inspiriert.


Bionik – aus den Wörtern „Biologie“ und „Technik“ – bedeutet, dass wir von Naturprinzipien für andere Disziplinen lernen wollen. Diese Suche, was aus der Natur transferiert werden könnte, wird besonders durch die Ingenieurswissenschaften betrieben. Vom Flugzeugbau bis zur Leiterplattenfertigung werden von Funktionsprinzipien bis hin zu Molekularstrukturen die Ideen der Natur aufgegriffen. So konzipierte auch Leonardo da Vinci erste Fluggeräte. Ein guter Ansatz.

Was hat das mit Menschen, Leadership und komplexen Systemen zu tun?
Vielleicht mehr als Sie denken. Denn auch die Prinzipien der Selbstorganisation, Schwarmintelligenz und Informationsausbreitung kennen wir aus der Natur. Und letztlich sind wir selbst ein Teil der Natur. Bionik ist eine zusätzliche Ideenquelle für Entwicklungen in der Unternehmensführung und daher wertvoll. Fredmund Malik beschäftigt sich u.a. intensiver mit dem Thema Management Bionik.

Was ich an dieser Stelle gerne noch versuchen möchte - ohne Naturmetaphern 1:1 in Leadershipkonzepte zu übersetzen, denn dazu fühle ich mich der soziologischen Systemtheorie zu eng verbunden - ist eine (philosophische) Reflexion von Bionik und Leadership anzuregen. Der Nutzen daraus ist, dass Sie Ihre Erkenntnisse etwa als Anregungen für zukünftige Beobachtung sozialer Systeme, Ihres Unternehmens, eines Teams, einer Abteilung, etc. heran ziehen könnten.

Unser Studienobjekt: Sonnenblume
(Helianthus annuus)
  • Warum drehen sich alle Sonnenblumen im Feld freiwillig in Richtung der Sonne?
  • Wie schaffen sie es diese Ausrichtung im Wachstum ständig zu adaptieren?
  • Weshalb stehen Sie aber in ihrer Blütezeit dann fix in eine Richtung?
  • Welche Qualität hat die Sonne in diesem Zusammenspiel?
  • Wie schafft es die Sonne viele solcher Felder gleichzeitig auszurichten?
Ich freue mich auf Ihre Kommentare, wenn diese Fragen bei Ihnen etwas anregen…

* Die Eigenschaft der Sonnenblume, sich dem Sonnenlicht immer zuzuwenden, nennt man Heliotropismus (griechisch für "Hinwendung zur Sonne").

Freitag, 24. Juli 2009

Web 2.0 verbindet

Armin Wolf – seriös, professionell, wortgewandt, fundiert, beliebt, brillant, preisgekrönt –
Österreichs Top Anchorman der ZiB2 Nachrichten auf ORF…
…und: witzig, offen und schelmisch!

Die letzteren drei sind Qualitäten, die bis vor kurzem eher seinen Freunden und Kollegen vorbehalten waren, aber nun auch für zig-Tausende Twitter-Followers sichtbar werden. Etwa wenn Armin Wolf preis gibt, wie er bei über 30°C im ORF-Studio zur Sache geht. Von meiner Seite gibt das +100 Sympathie-Punkte Herr Wolf!

(c) Armin Wolf - Twitpic

Nun ist dieses Foto wunderbar erfrischend harmlos…
Doch was können wir daraus ableiten:
Web 2.0 verbindet uns Menschen in einer Art, wie sie zuvor nur im persönlichen Kontakt zu finden war, in einem Ausmaß und einer Geschwindigkeit wie sie bisher noch nie in der Geschichte möglich war. Innerhalb von Sekunden können wir über den gesamten Globus miteinander in Verbindung treten. Jeder mit jedem (mit Internetzugang). Was das bewirken wird weiß noch niemand wirklich, aber - so meine Hypothese - Web 2.0 wird etwas gravierendes mit unserer Gesellschaft machen.

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Armin Wolf im ORF ZiB2 Tagebuch
Das Interview mit Armin Wolf von meinem Kollegen Ritchie auf Datadirt:
Der mit dem Wolf twittert


Mittwoch, 22. Juli 2009

Controlling ist in nutzlosen Projekten wichtig

In seinem neuen Artikel (IEEE Software 08/09 2009) über
Software Engineering: An Idea Whose Time Has Come and Gone?“ reflektiert Tom DeMarco (*) Aussagen, die er vor über 25 Jahren über Controlling und Metriken formulierte und kommt zum Schluss, dass diese nicht mehr relevant sind. Er bleibt statt dessen konsequent visionär:

Um den Stellenwert von Controlling heute zu verstehen, muss man zwei grundlegend unterschiedliche Arten von Projekten unterscheiden...
  • Projekt A:
    wird ca. 1,0 mio € kosten und einen Wert von ca. 1,1 mio € liefern
  • Projekt B:
    wird ca. 1,0 mio € kosten und einen Wert von über 50 mio € liefern
Was ist auffällig? Controlling wird für Projekt A sehr wichtig sein, für Projekt B jedoch ziemlich unwichtig. Je mehr Ihr Projekt auf Controlling fokussiert ist, desto größer ist also die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an einem Projekt arbeiten, das relativ geringen Nutzen liefern wird.

Softwareengineering ist ein sekundäres Anliegen, weil die Vorhersagbarkeit von Projektergebnissen nicht im Sinne der Innovationskraft ist. Der Fokus sollte auf der experimentellen Konzeption von Software liegen. Denn das wichtigste Ziel, das Software liefern kann ist Transformation, unsere Welt zu verändern, Unternehmen und wie wir Geschäfte machen.

(*) Tom DeMarco ist Autor zahlreicher Projektmanagementbücher, Referenzgröße in Führungskonzepten für Softwareentwicklungsteams und Gründer der Atlantic Systems Guild

In auszugsweiser, freier Übersetzung aus dem Originalartikel

Donnerstag, 16. Juli 2009

Brauchen wir bessere Projektmanager?

„Ich kenne keinen Top-Projektmanager, der in seiner Laufbahn nicht ein Projekt so richtig gegen die Wand gefahren hat.“

tröstete mich Erich Wlasak - einer meiner Lehrmeister – vor vielen Jahren. Viele von Ihnen werden die schmerzliche Erfahrung kennen. Oft geht es so weit, dass die beste Lösung ein Jobwechsel ist – u.a. weil der Projektmanager die beliebteste Projektionsfigur für alle Probleme ist, die mit einem gescheiterten Projekt assoziiert werden.

Was geht da genauer vor sich?


Tausende Projektmanager wurden für ihre Rolle bestmöglich ausgebildet, viele zertifiziert. Methoden, Standards, Tools und Soft Skills sind elaboriert und haben Verbreitung gefunden. Und Personalabteilungen haben zahlreiche Aktivitäten gesetzt. Thema erledigt!

All das ändert aber nichts an der Tatsache, dass laufend Projekte in Krisen geraten und Budgets und Zeitpläne maßlos überzogen werden. Woran liegt das? Vielleicht wurde ja der Hebel jahrelang am falschen Ende angesetzt?
Wenn wir für zwei unterschiedliche Problemlagen (siehe Bild) die verantwortliche Rolle benennen, erkennen wir: Aus Sicht des Unternehmens sind Projektmanager für die kleinere Problemdimension verantwortlich – jene im Inneren des Projektes. Trotzdem gilt „Projektmanagement“ als Synonym für das „Management von Projekten“. Das ist sowohl begrifflich irreführend als auch funktional unzulänglich.

Das Management von Projekten – besonders in einer relevanten Anzahl und Komplexität - ist sowohl eine Aufgabe innerhalb der Organisation als auch in den Projekten. Das Mindset: „Der Projektmanager löst die Probleme von Projekten“ ist sehr gefährlich. Der wesentlich gewichtigere Teil der Verantwortung liegt oft in einem blinden Fleck des Managements und wird daher in vielerlei Hinsicht unterversorgt: Problembewusstsein, Investitionsbereitschaft, Kompetenzaufbau, Kommunikation, Entscheidungsprozesse, etc.

Zukunftsfähig wären eine simultane Entwicklung der Projekt- und der Stammorganisation, sowie deren optimiertes Zusammenspiel. Das Management des Projektmanagements ist notwendig, damit Projekte zum stabilen Lösungskonzept und Wertschöpfungselement für Unternehmen werden.

Samstag, 30. Mai 2009

Effizienz – adieu, auf Wiedersehen, bye bye!?

Wie wichtig ist sie – die Effizienz? Gerade jetzt in einer Wirtschaftskrise?
Zweifelsohne hat Effizienz einen hohen Stellenwert im ökonomischen und ökologischen Sinn des Managements von Organisationen. Eine Optimierung der Input-Output Relationen, schließlich geht es um Zielerreichung mit möglichst geringem Aufwand. Damit werden Energie, Ressourcen, Geld, etc. möglichst schonend eingesetzt – ein valides Anliegen.

Was aber, wenn Einsparungen, Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen die einzigen Antworten von Führungskräften auf eine negative Unternehmensentwicklung sind – zum Beispiel in einer Krisenlage. Vielleicht sind es ja vielmehr falsche Ziele und Strategien, die dahin geführt haben.
Inwiefern kann durch Effizienz die Zukunftsfähigkeit sicher gestellt werden? Leider bleibt das oft unüberprüft und Unternehmen agieren dann mehr und mehr effizient an Kunden, Mitarbeitern und Markt vorbei.

Fragen die wir uns - vorerst grob vereinfacht - stellen können sind:
  • Was bringen optimale Prozesse, wenn diese im Ergebnis wirkungslos bleiben?
  • Was nützt der beste Kundenservice, wenn Sie keine Käufer mehr haben?
  • Was leistet ein technologisches Optimum, wenn seine Anwendung niemanden interessiert?
  • Was hilft ein Kampfpreis, wenn das Produkt völlig unattraktiv ist?
  • Was bewirkt die effizienteste Besprechung, wenn keine Mitarbeiter mehr da sind?
Maßnahmen im Unternehmen stehen immer in Wechselwirkung mit dem Gesamtsystem und die Reduktion von Komplexität ist voller Tücken. Trotzdem ist man versucht, nach Prioritäten zu suchen, wenn ein Problem kritisch ist. In der Abbildung oben ist dieser Versuch illustriert.

Hier geht es wirklich nicht um „Henne und Ei“-Probleme und schon gar nicht um Ideen das „Pferd von hinten aufzuzäumen“. Ich behaupte, es wäre schlichtweg falsch, sich dauerhaft nur um die Probleme auf einer der beiden Seiten zu kümmern.
Und wenn diese auch noch die Rechte („dann“) wäre, befindet sich das Ende bereits in Sichtweite…

Abschließend möchte ich Ihnen zu diesem Thema auch eine
philosophische Anregung anbieten - in Form eines Zitates von Peter Block:
„Das Gegenteil von Liebe und Einfühlungsvermögen ist nicht Hass,
es ist Effizienz.“

Versuchen Sie sich kurz eine Welt vorzustellen, wo jene Lebensaspekte, die Ihnen persönlich am aller wichtigsten und wertvollsten sind, alleine davon dominiert wären „höchste Effizienz“ zu erreichen… Das wäre ein grauenvolles Szenario – nicht wahr?
Wäre es also nicht viel besser uns gleich zu fragen, was unseren Kunden und unseren Mitarbeitern besonders wichtig und wertvoll ist? Wir sollten sehr gut zuhören und anerkennen welche Rückmeldungen und Antworten wir erhalten.

Und in Folge können wir mit diesen Erkenntnissen "zuerst" ... "dann" ...
zumindest habe ich die Hoffnung nicht verloren, dass wir uns
auch um die wesentlichen Dinge kümmern werden.


Mittwoch, 22. April 2009

Das Management des Projektmanagements I

Im Rahmen des PMI Forum Events in Wien, hatte ich die Gelegenheit dem Fachpublikum meine aktuellsten Überlegungen zu präsentieren:
  • Welche Zukunft erwartet das Projektmanagement?
  • Wie sind Führung und Organisationsentwicklung mit Projektmanagement gekoppelt?
  • Wie können wir Projektmanagement gezielt weiterentwickeln?




Zur Vertiefung können Sie meinen aktuellen Artikel zum Thema nachlesen.

Ich freue mich sehr über Ihre Rückmeldungen oder Diskussionen.

Montag, 23. März 2009

77 ways Twitter could make money!

Heute stelle ich Ihnen das nächste kurze Kapitel zu Twitter vor. Mein Posting "Twitter for Business" haben Sie vielleicht schon gelesen...

Seit dessen haben sich Millionen neuer User registriert
  • Die "Daily Tweets" - die Anzahl der täglichen 140-Zeichen Nachrichten - liegen derzeit bei 5 Millionen Tweets (*)
  • Seit Ende Jänner'09 - innerhalb von nur 2 Monaten - hat sich diese Quote von damals 2,5 Millionen Tweets verdoppelt
  • Insgesamt zählen wir bisher knapp 1,4 Milliarden Tweets, die online gestellt wurden - siehe GigaTweet

(c) popacular.com

Warum ist das aus einer Organisationsberatungperspektive relevant?

1)
Welche neuen Formen von Kommunikation und Kollaboration entstehen hier? Und wie werden sie sich auf Organisationen auswirken?

2) Es stellen sich Leute die Frage: "Wie macht man das zu Geld?"

Zu diesem Thema kann ich Ihnen diese Präsentation
empfehlen.

Dieses eindrucksvoll nüchterne Brainstorming von
Board of Innovation drängt uns mit den Volums-Kennzahlen oben eine Erkenntnis förmlich auf:

Twitter sollte man in Überlegungen
der (strategischen) Kommunikation nicht mehr länger vernachlässigen...
  • als Community (Zielgruppen)
  • als Informationsdrehscheibe
  • als Kommunikationsmedium
  • als Marktpotenzial
  • als Phänomen der sozialen Dynamik

* falls Sie dieses Posting nach 1-2 Jahren lesen sollten, können Sie über diese lächerlich niedrige, veraltete Zahl gerne laut lachen.

Donnerstag, 19. März 2009

Internet Famous – Wie gute Trainings funktionieren

Internet Famous ist ein hervorragendes Beispiel für „Action Learning“. So macht Training oder Entwicklungsarbeit Sinn. Genau am Thema in einem konkreten Projekt mit realen Ergebnissen werden Know How, Skills und Erfahrungen erarbeitet.

Fast würde ich mich eingangs dazu hinreißen lassen deutschsprachige gegenüber amerikanischer Universitäten zu bewerten, aber nur soviel dazu: Beides probiert kein Vergleich. Was das Kriterium der Transferierbarkeit von Studieninhalten betrifft, steht meine Wertung seit langem fest. Aus meinem Summer Term an der Harvard University in Business Case Studies, habe ich (subjektiv gefühl
t) wohl mehr Verwertbares mitgenommen als aus insgesamt ca. 7 Jahren an der Technischen Universtät Wien.

Gerade im Trainings, Weiterbildungs und Personalentwicklungsbereich halte ich „Verwertbarkeit“ für eines der wichtigsten Qualitätskriterien.

(c) internetfamo.us

Ein Beispiel
Die Internet Famous Class der Parsons New School for Design, New York City hat sich zum Ziel gesetzt, Design-Studenten in einem Wettbewerb ihre Internet Präsenz im Laufe eines Semesters zu maximieren. Blogging, Videos, Twitter, Facebook, Fotos, Online-TV etc. Alles ist für das persönliche Branding erlaubt. Im Classroom gibt es dazu regelmäßigen Austausch, Feedback und Impulsvorträge von Experten.

Note = Quote
Das heißt Ergebnisse dieser Anstrengungen sind gut messbar und werden mittels eines Quotenalgorithmus direkt in eine Note umgerechnet – fertig!

Motivation
Falls Sie sich Blog und Videos dazu ansehen möchten, werden Sie weiters bemerken: Die Menschen entwickeln dabei enorme Leidenschaft, Einsatzfreude und Motivation.

So können Trainings auch in Unternehmen funktionieren!
Aus zweierlei Hinsicht finde ich das aus einer Berater- und Trainerperspektive hervorragend:

Inhaltlich
Der Trainingsinhalt des Beispiels ist austauschbar. Ob Führung, Projektmanagement, Kommunikation, Teamwork usw. - worauf es ankommt: inhaltliche Qualitätskriterien müssen gehalten werden
* aktuell = state-of-the-art
* fundiert
* unmittelbar nützlich
* verwertbar für Teilnehmer

Methodisch
Das Setting und der methodische Aufbau eines Action Learning Szenarios kann unterschiedlich gestaltet werden. Im Beispiel universitär für Design-Studenten. In Unternehmen natürlich projekt-, aufgaben- oder rollenorientiert für die Teilnehmer. Doch auch hier gibt es einen universellen roten Faden, der mehrere Ebenen bedienen muss:
* Faktischer Know How Aufbau
* Individuelle Skill Entwicklung
* Praxiserfahrung
* Motivation und positive Erfolgserlebnisse
* Vernetzung der Teilnehmer

Wenn Sie also verleitet sind, das nächste Seminar „aus der Konservendose“ für sich oder Ihre Mitarbeiter zu buchen, überlegen Sie, ob es nicht auch schmackhaftere, lustvollere Alternativen gibt.

Dienstag, 3. März 2009

Wo früher Angst war, ist jetzt Inspiration

Stellen Sie sich folgende Szene vor:
1944, Alliertenbombardements. In Berlin Mitte stopfen sich über 5000 Menschen aus der Zivilbevölkerung tagelang in einen Bunker, der nur für 1500 Menschen konzipiert wurde. Auf 5 Stockwerken unter einer 3,20 Meter dicken Stahlbetondecke eingezwängt, verbringen sie Tage der Angst in 120 niedrigen Betonkammern mit feuchten Wänden, teilweise in absoluter Dunkelheit, weil der Strom ausfällt.


Foto (c) Sammlung Boros

Heute, 65 Jahre später ist aus dem Ort der Angst das wohl aufwändigste Ausstellungshaus für eine Privatsammlung zeitgenössischer Kunst in Deutschland geworden – ein Ort der Inspiration und kreativen Auseinandersetzung.

Sammlung Boros – Bunker Berlin Mitte
– eröffnete Sommer 2008 (*)

Foto (c) Sammlung Boros

Christian Boros hat die Grundstruktur des Gebäudes durch scheinbar kleine Veränderungen in ein beeindruckendes Raumgeflecht umbauen lassen. „Scheinbar“ nur deshalb, weil in mehreren Jahren Arbeit Spezialbeton zerschnitten werden musste, dessen Durchhärtung 30 Jahre (!) gedauert hat. Heute sind viele der Werke dem Gebäude selbst gewidmet, andere wirken perfekt integriert, weil sie räumlich eingepasst wurden und nur für ein Kunstobjekt wurde eigens ein Raum geschaffen. Es ist gleichzeitig der (derzeit) bekannteste Vertreter in der Sammlung: Olafur Eliasson – u.a. Schöpfer der New York City Waterfalls.

Foto (c) Sammlung Boros

Viele kleine Details im Bunker, seine Geschichte und kurze Gedanken an den früheren funktionalen Zweck bringen immer wieder kurze Momente der Beklemmung mit sich. Sie erzeugen eine extrem hohe Spannung. Diese Energie mutig und minimalistisch in kreative Inspiration zu Verwandeln ist eine hohe Kunst für sich.
  • Dieser Ort ist ein „Must See“ für Kunstinteressierte in Berlin.
  • Der Bunker ist eine Metapher für Verwandlung im positven Sinn.
  • Lebende Zeitzeugen haben trotz Einladung nie wieder einen Fuß in den Bunker gesetzt.

* Sammlung Boros kann jeden Samstag und Sonntag nach Voranmeldung besucht werden.

Sonntag, 22. Februar 2009

Sind Digital Social Networkers professionell ernst zu nehmen?

Was für eine interessante Fragestellung, mit der ich dieses Wochenende in einem Beraterworkshop in Berlin konfrontiert wurde:
Sind Digital Social Networkers professionell ernst zu nehmen?

Die Diskussion erinnerte mich an eine existierende - in meiner Begriffswelt "konservative" - Studie über Digital Social Networking: "Social NOTworking" - so wurde zumindest neulich in England eine volkswirtschaftliche Kalkulation tituliert, die Kommunikationsaktivitäten in Facebook, Twitter, Instant Messanging oder Blogreading eine vernichtende Kritik ausstellte: "Arbeitszeitvernichtung".

Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook
http://www.flickr.com/photos/farber/2532720065

Natürlich kann man die Welt (vielleicht derzeit noch) so sehen. Schließlich war Internet-"Surfen" vor wenigen Jahren am Arbeitsplatz noch verpönt. Was diese Studie wahrscheinlich nicht ganz richtig bewerten konnte (wie auch?), sind die zukünftigen Innovationspotenziale, die heute mit dieser "Arbeitszeitvernichtung" generiert werden.

Zugeben muss man jedenfalls, dass die aktuellen, rasant wachsenden Kommunikationsangebote verschiedenster Medienkanäle eine Überforderung in unserer Gesellschaft darstellen (*). Manche Menschen haben damit effektive Schwierigkeiten. Um so mehr wird es eine Herausforderung sein, mit der erforderlichen Medienkompetenz unserer Zeit Schritt zu halten und rasch zu lernen. Denn Verdrängung halte ich für nicht zielführend. Das trifft vor allem auf die Generation 25+ zu, da die etwas jüngeren "Digital Natives" diese Problem nicht einmal mehr nennenswert wahrnehmen.

Meine Conclusio:
Stellen Sie sich vor, heute auf Internet und Handy permanent verzichten zu müssen und wo Sie damit gesellschaftlich bzw. professionell stehen würden. (**)

So ähnlich schätze ich die durchschnittliche Relevanz von Web 2.0-Medien in spätestens 3 - 5 Jahren ein.

...mal sehen was meine Beraterkollegen dann sagen werden.

* Literaturtipp: Baecker D. (2007), "Studien zur nächsten Gesellschaft", Suhrkamp-Verlag

** Entschuldigen Sie bitte, wenn ich bei Ihnen, als gut informierte Web 2.0 Kommunikatoren, völlig daneben liege. Vielleicht sollte man dieses Posting besser zielgruppengerecht in einer Zeitung veröffentlichen.

Montag, 16. Februar 2009

Die Beobachtung der Kommunikation

Stellen Sie sich vor, Sie hätten in ihrer Organisation ein Problem. Das soll ja in den besten Unternehmen vorkommen. Also nicht diese niedlichen „Herausforderungen“, die ich eher als Aufgabenstellung bezeichnen würde, sondern ein ernsthaftes Problem: gut sichtbar, viele Betroffene, Langzeit wirksam und will sich nicht von selbst lösen.

Es gibt viele Beratungsansätze, Problemstellungen aufzurollen. Vielleicht kommen Ihnen diese Typen – ein wenig überzeichnet – schon bekannt vor…
  • Zauberer Hokus Pokus – Verkaufen Ihnen billige Konservendosen mit individualisiertem Etikett
  • Gurus – machen aus Ihrem Unternehmen jenes, das dem Guru am besten gefällt
  • Cowboys, been there done that! – Peng, Schuss aus der Hüfte. Problemträger erledigt
  • Benchmarkers – Sagen Ihnen, was die Konkurrenten gerade besser als Sie machen
  • Superexperten – verkaufen bemerkenswerte Konzepte mit „State-of-the-art“ Business Prozessen… mit denen Sie genau nichts anfangen, weil sie noch nie ein Unternehmen umgesetzt hat
Und ein Typus, dem Sie vielleicht bisher weniger oft begegnet sind:
  • Systemiker – stellen Unmengen von Fragen und beantworten Ihre Fragen mit… Fragen!


Fritz B. Simon in aller Kürze über „Systemtheorie“

Mit einer systemischen Beraterhaltung lässt sich eine gewisse Fragenintensität nicht vermeiden. Das Herauskramen vorgefertigter Konzepte steht nicht auf dem Plan. Es gibt stattdessen ernsthafte Erkundungen zu tun, wie zum Beispiel…
  • Wie hält sich die Organisation davon ab, das Problem selbst zu lösen?
  • Wo und wie werden Entscheidungen getroffen?
  • Welche Kommunikationswege sind etabliert (oft im Gegensatz zu dokumentiert)?
  • (Wie) werden Konflikte in der Organisation gelöst?
  • Welche „Währungen“ haben hohen Kurswert (Geld, Macht, Wissen, Anerkennung, etc.)?
  • Wie sorgt die Organisation dafür, dass ein Problem dauerhaft aufrecht bleibt?
Die Beobachtung der Kommunikation ist eine faszinierende Form, sich systemtheoretisch geleitet mit Organisationen auseinander zu setzen. Sie gibt Aufschlüsse über die individuellen Eigenarten, nach welchen Regeln in einem System "miteinander gespielt" wird. Genau diese Einzigartigkeit der Spielregeln gilt es zu erkennen, um Probleme eines Unternehmens zu lösen und gleichzeitig - seine Identität anerkennend – Veränderungen anzuregen.

Dienstag, 3. Februar 2009

Die Kunst des Projektmanagements

- Inspiriert durch den Wandel -

Ein vielversprechender Titel für das Projektmanagement Forum 2009. Dieses findet heuer vom 14.-15. Oktober im bcc Berliner Congress Center statt und wird von GPM (Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement) organisiert. Das PM Forum ist der größte Branchenevent für Projektmanager im deutschsprachigen Raum.


Der Call for Papers läuft!
Dem Leitthema folgend werden Praxisvorträge von Projektmanagern zu unterschiedlichen Aspekten von Wandel und Projektmanagement gesucht. Ausgeschrieben ist eine breite Palette von Streams zu Themen wie
  • Krisenprojekte managen
  • Projekte und Unternehmensstrategie
  • Trends im Projektmanagement
  • Innovationen durch Projektmanagement
  • Der Mensch im Projekt
Beiträge können bis 28. Februar 2009 online eingereicht werden.

Montag, 2. Februar 2009

All the Topics all the Time - Alltop

Es gibt verschiedene Arten, wie man Informationslawinen im Internet bearbeiten kann:
  • Suche“ – eine begriffsorientierte Selektionsform und die derzeitige Königsdisziplin im alltäglichen Umgang mit Information. Ihre Wichtigkeit lässt sich an Google’s Geschäftserfolg ganz gut ablesen.
  • Strukturierung“ – was im Internet nur sehr bedingt machbar ist, versuchen manche trotzdem und es entstehen kleinere Lawinen in der Riesenlawine, wie etwa Bibliotheksverzeichnisse.
  • Semantik“ – auf diese Verknüpfung von qualifizierten Inhalten werden wir in Zukunft bauen, stecken aber punkto Verbreitung noch in den Kinderschuhen der Semantic Web Technologien.
  • Aggregation“ – eine gute Alternative zur Suche ist die Mischung aus vorgegebenen Selektionen mit automatisierten Suchen, dann Strukturierung und letztlich die individuelle User-Suche: und das geht so…

Die Aggregation, bringt zuletzt allerlei Portale hervor, die mehr oder weniger nützlich sind. Eines davon würde ich als „nahe am derzeitigen Optimum“ bezeichnen und Ihnen gerne
vorstellen: Alltop.com


Als „Online Magazine-Regal“, beschreibt sich Alltop am besten selbst. Die Plattform entstammt einer Idee von Guy Kawasaki, ehemaliger Apple Marketier und einer der führenden Silicon Valley Evangelisten. Sie aggregiert mehrere 10.000 englischsprachige Content-Sites (News, Blogs, Special Interest Sites, etc) zu einer übersichtlichen Informationsdrehscheibe. Und das im denkbar übersichtlichsten, schlichten Design.

Zum Thema „Projectmanagement“ – eine von mehreren hundert Headlines – sieht das Suchergebnis so aus…


…und gibt Ihnen wertvollen Lesestoff und Informationsquellen für zumindest 7 Projektmanagerleben.

Schauen Sie einfach mal rein bei Alltop.com

Freitag, 30. Januar 2009

The Minds of our Children - meeting Jimmy Wales

Der Wiener Management und Consulting Kongress COM.SULT 09 im Haus der Industrie war ein ereignisreicher Tag. David Ungar-Klein organisierte mit seinem Team von Create Connections ein insgesamt 14-stündiges Programm. Dabei wurde sowohl über die Zukunft der Business- und Consultingwelt in Podiumsdiskussionen und Workshops gemeinsam laut nachgedacht als auch ein Networking auf höchstem Niveau gepflegt.


Mein persönliches Highlight dieses Tages war die Begegnung mit Jimmy Wales, Gründer von Wikipedia – einer Nonprofit Organisation. Am besten kann man Jimmy „Jimbo“ Wales als Philantrop und Visionär beschreiben. Ein umgänglicher, bescheiden auftretender Mensch, der mit seinen 42 Jahren viel Weisheit, Souveränität und Zufriedenheit ausstrahlt. Seine Aussagen (teils im englischen O-Ton) könnten Kapitelüberschriften für ein Werk über Leadership ergeben – hier die Highlights…

Auf die Frage, was das Wichtigste wäre, um ein Unternehmen langfristig erfolgreich zu machen…
„You need to focus on people and give them a clear vision.“

Jimmy’s Aussage zum Thema Human Ressources und War for Talents…
„Instead of looking for the top 10% of talents to have them in my company, I’d rather try to get the best out oft the other ones, and give them the best opportunities to be successful.“

Wie seine Erfolgsgeschichte entstand…
„At a certain stage the internet was mostly associated with selling dog-food online. That was when I thought, OK, let’s share knowledge! The vision of wikipedia.org is: A free encyclopedia for every single person on the planet.“

und worauf es ihm im Internet besonders ankomme…
„In the end, there are always people on the other end oft the line, and you should always treat them with respect.“

Wieviel Zeit er denn pro Tag online verbringen würde…
„Well, a lot!"

Was Jimmy Wales am Podium auch glaubwürdig bestätigt...

Zur kritischen Qualität von Online-Inhalten meinte Jimmy unter anderem:
Es gibt viele Artikel in wikipedia, die den Hinweis tragen: „The neutrality of this article has been disputed.“ Damit bringen wir explizit zum Ausdruck, dass diese Inhalte zur Diskussion stehen. Nun betrachten Sie die Zeitungen diese
r Welt – haben Sie in der New York Times schon mal diese oder eine ähnliche Anmerkung gefunden? Dort fliegen in Redaktionssitzungen oft genug die Fetzen und dann erscheint der eine Artikel zum Thema und viele Menschen glauben leider, das wäre die einzige Wahrheit. „I’d wish to find an article in the New York Times one day heading, the neutrality of this article has been disputed!“

Sein Rezept für Erfolg:
„You need to find something you love and do it. That’s the only way to be successful.“

Und auf die Frage, was unsere wichtigste Ressource für die Zukunft wäre:
„The most important resource of our futur are the minds of our children. Think about this world and as it is right now for young people.“

Es war eine inspirierende Erfahrung, Jimmy Wales in Wien zu treffen.

Freitag, 16. Januar 2009

Wenn man hält, was man verspricht

Ein Auszug aus einer Consulting Homepage…

„Safety Reliability Methods, Inc. is a consulting firm that provides expert solutions to complex problems involving safety, high performance and high reliability.

By chosing Safety Reliability Methods you get:
* Proven Performance
* Dedicated professional service
* Uniquely qualified experts

…“

Das oder so etwas Ähnliches behaupten sicher viele, ja Tausende von ihrem Consulting-Geschäft und bringen dazu auch Fotos dieser Art online:

Foto (c) safetyreliability.com

…so auch Chesley B. "Sully" Sullenberger, von dessen Homepage ich spreche, der Mann, der den US Airways Flug 1549 zu seiner Not-wasserung gesteuert hat und „Das Wunder auf dem Hudson River“ realisiert hat, indem er 154 Menschenleben und sein eigenes rettete.

Foto (c) wikipedia.org

Den Mann zum Helden zu machen, haben wichtigere Köpfe und Institutionen schon erledigt. Was ich hier so besonders bemerkenswert finde:

Mr. Sullenberger hat gehalten, was er versprochen hat!
Eine der wichtigsten Qualitäten - der "offizielle Zinssatz" auf Ihrem Vertrauenskonto – etwa wenn es um Kooperation, Führung, Projektmanagement oder Beratung geht. Es war kein glücklicher Zufallserfolg sondern profunder Background, hartes Training und jahrelange Expertise und Auseinandersetzung mit seiner Materie – u.a. für High Reliability Organizations (HRO), gekrönt mit einer brillanten, situationsgerechten Durchführung. Und das alles angekündigt – wiewohl nicht in dieser Dramatik erwartet.

Dieser Mann weiß einfach, wie man mit akuten Problemen in einem Cockpit umgeht.

Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind keine Zauberwörter sondern langfristige Werte wie Gold. Man muss sie behutsam be-wahren.

Respekt Mr. Sullenberger!

Donnerstag, 15. Januar 2009

This Blog rocks: "Simons Systemische Kehrwoche"

Wie erreicht man eine Differenzierung von
  • intelligenten Organisationen voller blöder Leute - versus
  • blöder Organisationen voller intelligenter Leute

Zur Beantwortung darf ich ihnen aus "Diese Blogs interessieren..." - vorstellen: Carl Auer Verlag - Simons Systemische Kehrwoche


Eine tägliche Betrachtung unserer Gesellschaft von Fritz B. Simon, wobei seine Brillen vielfältig sind: Kritiker, Therapeut, Soziologe, Systemiker, Forscher, Humorist, ... , Fritz B. Simon.

Aktuell empfehlenswert, das Posting über das Scheitern des J. Ackermann mit der Antwort zur Eingangs gestellten Frage.

Genießen Sie den Ausflug.