Montag, 16. Februar 2009

Die Beobachtung der Kommunikation

Stellen Sie sich vor, Sie hätten in ihrer Organisation ein Problem. Das soll ja in den besten Unternehmen vorkommen. Also nicht diese niedlichen „Herausforderungen“, die ich eher als Aufgabenstellung bezeichnen würde, sondern ein ernsthaftes Problem: gut sichtbar, viele Betroffene, Langzeit wirksam und will sich nicht von selbst lösen.

Es gibt viele Beratungsansätze, Problemstellungen aufzurollen. Vielleicht kommen Ihnen diese Typen – ein wenig überzeichnet – schon bekannt vor…
  • Zauberer Hokus Pokus – Verkaufen Ihnen billige Konservendosen mit individualisiertem Etikett
  • Gurus – machen aus Ihrem Unternehmen jenes, das dem Guru am besten gefällt
  • Cowboys, been there done that! – Peng, Schuss aus der Hüfte. Problemträger erledigt
  • Benchmarkers – Sagen Ihnen, was die Konkurrenten gerade besser als Sie machen
  • Superexperten – verkaufen bemerkenswerte Konzepte mit „State-of-the-art“ Business Prozessen… mit denen Sie genau nichts anfangen, weil sie noch nie ein Unternehmen umgesetzt hat
Und ein Typus, dem Sie vielleicht bisher weniger oft begegnet sind:
  • Systemiker – stellen Unmengen von Fragen und beantworten Ihre Fragen mit… Fragen!


Fritz B. Simon in aller Kürze über „Systemtheorie“

Mit einer systemischen Beraterhaltung lässt sich eine gewisse Fragenintensität nicht vermeiden. Das Herauskramen vorgefertigter Konzepte steht nicht auf dem Plan. Es gibt stattdessen ernsthafte Erkundungen zu tun, wie zum Beispiel…
  • Wie hält sich die Organisation davon ab, das Problem selbst zu lösen?
  • Wo und wie werden Entscheidungen getroffen?
  • Welche Kommunikationswege sind etabliert (oft im Gegensatz zu dokumentiert)?
  • (Wie) werden Konflikte in der Organisation gelöst?
  • Welche „Währungen“ haben hohen Kurswert (Geld, Macht, Wissen, Anerkennung, etc.)?
  • Wie sorgt die Organisation dafür, dass ein Problem dauerhaft aufrecht bleibt?
Die Beobachtung der Kommunikation ist eine faszinierende Form, sich systemtheoretisch geleitet mit Organisationen auseinander zu setzen. Sie gibt Aufschlüsse über die individuellen Eigenarten, nach welchen Regeln in einem System "miteinander gespielt" wird. Genau diese Einzigartigkeit der Spielregeln gilt es zu erkennen, um Probleme eines Unternehmens zu lösen und gleichzeitig - seine Identität anerkennend – Veränderungen anzuregen.

Kommentare:

  1. Es ist schon eine anerkannte Weisheit:
    "Wer fragt, der führt ..." (im Sinne von "Lenken")
    Fragen bedeutet auch, miteinander reden, zuhören.
    Reden statt Meinungen durchsetzen ist der Grundbaustein für ein wertschätzendes Miteinander.
    Kriege und Nicht-Zuhören gibt es genug.

    Peter Urban
    (peter.urban@rubicon.eu)

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  2. "Gesellschaft ist nicht eine Ansammlung von Menschen,
    sondern sie ist Kommunikation" meinte Niklas Luhmann, fügte hinzu:
    "Beobachtung bedeutet -nicht nur für Manager- Kommunikationsbeobachtung: Kommunikation erzeugt Meinungen."

    Ich wünsche, dass sich dieses fundamentale Thema im Hinblick auf neue Managementmodelle für dynamische Märkte Gehör verschafft.

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