Dienstag, 3. März 2009

Wo früher Angst war, ist jetzt Inspiration

Stellen Sie sich folgende Szene vor:
1944, Alliertenbombardements. In Berlin Mitte stopfen sich über 5000 Menschen aus der Zivilbevölkerung tagelang in einen Bunker, der nur für 1500 Menschen konzipiert wurde. Auf 5 Stockwerken unter einer 3,20 Meter dicken Stahlbetondecke eingezwängt, verbringen sie Tage der Angst in 120 niedrigen Betonkammern mit feuchten Wänden, teilweise in absoluter Dunkelheit, weil der Strom ausfällt.


Foto (c) Sammlung Boros

Heute, 65 Jahre später ist aus dem Ort der Angst das wohl aufwändigste Ausstellungshaus für eine Privatsammlung zeitgenössischer Kunst in Deutschland geworden – ein Ort der Inspiration und kreativen Auseinandersetzung.

Sammlung Boros – Bunker Berlin Mitte
– eröffnete Sommer 2008 (*)

Foto (c) Sammlung Boros

Christian Boros hat die Grundstruktur des Gebäudes durch scheinbar kleine Veränderungen in ein beeindruckendes Raumgeflecht umbauen lassen. „Scheinbar“ nur deshalb, weil in mehreren Jahren Arbeit Spezialbeton zerschnitten werden musste, dessen Durchhärtung 30 Jahre (!) gedauert hat. Heute sind viele der Werke dem Gebäude selbst gewidmet, andere wirken perfekt integriert, weil sie räumlich eingepasst wurden und nur für ein Kunstobjekt wurde eigens ein Raum geschaffen. Es ist gleichzeitig der (derzeit) bekannteste Vertreter in der Sammlung: Olafur Eliasson – u.a. Schöpfer der New York City Waterfalls.

Foto (c) Sammlung Boros

Viele kleine Details im Bunker, seine Geschichte und kurze Gedanken an den früheren funktionalen Zweck bringen immer wieder kurze Momente der Beklemmung mit sich. Sie erzeugen eine extrem hohe Spannung. Diese Energie mutig und minimalistisch in kreative Inspiration zu Verwandeln ist eine hohe Kunst für sich.
  • Dieser Ort ist ein „Must See“ für Kunstinteressierte in Berlin.
  • Der Bunker ist eine Metapher für Verwandlung im positven Sinn.
  • Lebende Zeitzeugen haben trotz Einladung nie wieder einen Fuß in den Bunker gesetzt.

* Sammlung Boros kann jeden Samstag und Sonntag nach Voranmeldung besucht werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen