Donnerstag, 16. Juli 2009

Brauchen wir bessere Projektmanager?

„Ich kenne keinen Top-Projektmanager, der in seiner Laufbahn nicht ein Projekt so richtig gegen die Wand gefahren hat.“

tröstete mich Erich Wlasak - einer meiner Lehrmeister – vor vielen Jahren. Viele von Ihnen werden die schmerzliche Erfahrung kennen. Oft geht es so weit, dass die beste Lösung ein Jobwechsel ist – u.a. weil der Projektmanager die beliebteste Projektionsfigur für alle Probleme ist, die mit einem gescheiterten Projekt assoziiert werden.

Was geht da genauer vor sich?


Tausende Projektmanager wurden für ihre Rolle bestmöglich ausgebildet, viele zertifiziert. Methoden, Standards, Tools und Soft Skills sind elaboriert und haben Verbreitung gefunden. Und Personalabteilungen haben zahlreiche Aktivitäten gesetzt. Thema erledigt!

All das ändert aber nichts an der Tatsache, dass laufend Projekte in Krisen geraten und Budgets und Zeitpläne maßlos überzogen werden. Woran liegt das? Vielleicht wurde ja der Hebel jahrelang am falschen Ende angesetzt?
Wenn wir für zwei unterschiedliche Problemlagen (siehe Bild) die verantwortliche Rolle benennen, erkennen wir: Aus Sicht des Unternehmens sind Projektmanager für die kleinere Problemdimension verantwortlich – jene im Inneren des Projektes. Trotzdem gilt „Projektmanagement“ als Synonym für das „Management von Projekten“. Das ist sowohl begrifflich irreführend als auch funktional unzulänglich.

Das Management von Projekten – besonders in einer relevanten Anzahl und Komplexität - ist sowohl eine Aufgabe innerhalb der Organisation als auch in den Projekten. Das Mindset: „Der Projektmanager löst die Probleme von Projekten“ ist sehr gefährlich. Der wesentlich gewichtigere Teil der Verantwortung liegt oft in einem blinden Fleck des Managements und wird daher in vielerlei Hinsicht unterversorgt: Problembewusstsein, Investitionsbereitschaft, Kompetenzaufbau, Kommunikation, Entscheidungsprozesse, etc.

Zukunftsfähig wären eine simultane Entwicklung der Projekt- und der Stammorganisation, sowie deren optimiertes Zusammenspiel. Das Management des Projektmanagements ist notwendig, damit Projekte zum stabilen Lösungskonzept und Wertschöpfungselement für Unternehmen werden.

Kommentare:

  1. Simultanes Zusammenspiel der Projekt- und Linienorganisation wird vor allem durch immer kürzer werdende Product Life Cycles überlebenswichtig. Die Linie muss sich nunmehr als Multiprojektlandschaft verstehen, wenn Unternehmen mit der Dynamik ihrer Mitbewerber mithalten möchten.

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  2. und das wirft ein völlig anderes Licht auf Multiprojektmanagement und die ganze Diskussion unter dem Stichwort PMO...

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  3. Sehr guter Artikel. Nur ist es nicht auch die Aufgabe des Projektmanagers genau diese blinden Flecke dem Management kenntlich zu machen um das Projekt zum Erfolg zu führen?

    Dieser Zusammenhange sollte viel öfters thematisiert werden.

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  4. > "...Nur ist es nicht auch die Aufgabe des Projektmanagers..."

    hallo Jozef!

    genau in diesem punkt differenziere ich sehr genau: kenntlich machen: ja!
    kompensieren - d.h. selbst erledigen: sehr kritisch / nein!
    ich denke, es ist genau dieser trugschluss, dass projektmanager universalverantwortliche "retter der welt" in organisationen sein könnten / sollten, der uns da hin gebracht hat, wo wir derzeit stehen.

    sunshine!
    Jan A. Poczynek

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  5. Ein guter PM gleicht seine Sicht des potentiell blinden Fleckes mit dem Management ab. Wie in jedem derartigen Ableich könnte es ja gut sein, dass dadurch bei allen Beteiligten mehr Klarheit entsteht. Ein Mehr an Verständnis und eine gemeinsame Basis, die entweder eine Lösung des Problems ermöglicht, oder zB ein AHA-Erlebnis erzeugt "Das ist ja gar kein Problem, mir haben einfach einige Informationen gefehlt".

    Die ganze Verantwortung für den Projekterfolg am PM oder umgekehrt am Management abzuladen schafft böse Folgen anstelle von Erfolgen.

    Lieben Gruß
    Martin

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  6. Ist erst mal das Projektmanagement gemanaged ist der Projektmanager Manager des Projektmanagements - wirres Zeug?
    Nein - nur die Klarstellung (!) dass Projektmanagement in seiner Gesamtheit nicht (nur) durch eine Person - den Schuldigen - zu bewerkstelligen ist.

    Alles Liebe,
    Günther

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  7. ich denke hier auch an funktionen, die nicht in einer person oder rolle festgelegt sein können.
    auch in der bearbeitung glaube ich an simultane bearbeitungsprozesse im management und projektmanagement, um zu einer gesamthaften entwicklung der projektkultur zu kommen.

    d.h. auch nach dem projekt ist vor dem (nächsten) projekt...
    => an kontinuierlichen entwicklungen sollte nicht nur anlassbezogen gearbeitet werden.

    sunshine!
    Jan

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