Dienstag, 11. August 2009

Vergessen Sie Ihr Organigramm!

Organigramme stimmen nie mit der Realität von Unternehmen überein und limitieren Ihr Vorstellungsvermögen!

Ihre Ursprünge sind in den geometrischen Orientierungsplänen der Antike genauso zu finden, wie in jenen von Klosteranlagen. So gibt etwa der St.Galler Klosterplan anno 826 (Codex Sangallensis) einen klaren Überblick: Wer, Wo, Wie zur Wirkung kam.

* Als Visualisierung von funktionalen Arbeitsteilungen und Kommunikationswegen versuchen Organigramme etwas Ähnliches und sind in ihrer Methode daher über 1000 Jahre alt.
Betrachten wir kurz den neueren Wandel von Organisationstypologien. D.h. nicht die Reorganisation einzelner Unternehmen im Sinne von Changemanagement, sondern die Entstehung neuer Organisationsformen. In diesem Zusammenhang ist die strukturelle Kopplung durch Kommunikation die wesentlichste Betrachtungseinheit. Wenn man die Entwicklung der Kommunikation und der zugehörigen Medien der letzten 30 Jahre betrachtet, sollte es nicht überraschen, dass Organisationsformen die ihre Hochblüte im Taylorismus entwickelt haben nicht mehr den aktuellen Stand unserer Gesellschaft widerspiegeln können. Etwas mehr soziale Dynamik ist angesagt.

Genauso ist das Phänomen der Digitalen Sozialen Netzwerke ein Vorbote neuer Strukturformen. Die Evolution neuer Organisationstypen entsteht förmlich aus einer "frei beweglichen Modelliermasse von Ressourcen" aus der sich dynamisch neue Konstrukte herausbilden und wieder auflösen.


(c) Flight404 @ VIMEO

Eines steht fest: heutige Organigramme sind lahme Krücken aus dem Mittelalter, die unsere visuelle Assoziationsfähigkeit in die Irre (Statik) führen. Neue Organisationstypen werden sich ihre Formen zwar erst suchen müssen, aber ich bin überzeugt, dass Organisationen in Zukunft eher mit dynamischen Modellen von Flüssigkeiten, Partikelwolken oder Magnetfeldern zu beschreiben sein werden, als mit vergilbten Statikplänen von Backsteinbauten mit eingravierten Namenschildern...  bzw. dokumentiert auf PowerPoint Folien.
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Kommentare:

  1. Ich würde nicht so weit gehen Organigramme zu vergessen. Die Herausforderung ist doch viel mehr die verschiedenen Aspekte einer Organisation (Linienverantwortung, Matrixberichtswege und Projektorganisation) so abzubilden das das Ergebnis quasi eine Landkarte der Organisation abbildet und damit die notwendige Orientierung bietet. Ich selbst nutze genau zu diesem Zweck das Tool PersonalBrain (www.thebrain.com).

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  2. klar besteht eine notwendigkeit der dokumentation und gerade gemeinsame landkarten sind wichtig.
    gut nur, wenn sie auch die landschaft einigermaßen wiedergeben...

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  3. Die Frage ist, was Organigramme darstellen sollen. Für mich sind sie ein Visualisierungsinstrument für Wunschvorstellungen. In der Realität steuern andere Mitarbeiter, als die, die in Organigrammen weit oben stehen unbewusst das Unternehmen. Nicht zu unterschätzen sind z.B. Facility Manager, die Abteilungen auseinanderreissen, Chefs versetzen und Vorgaben für Büroraumgestaltung machen. Oder auch Softwarearchitekten & IT, welche oft basierend auf ihren eigenen technischen Vorlieben de facto entscheiden wie Business Prozesse auszusehen haben und welche Management Ideen überhaupt umgesetzt werden können.

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  4. Lieber Jan! Sehr visionär. Wie auch immer solche fluiden Strukturen zu fassen sind, ich habe dazu jenseits spannender Theorien kein konkretes Bild. Das Organigramm zu vergessen ist hingegen eine leichte Übung. Das Viable System Model von Stafford Beer kommt ohne Organigramm aus und bietet dennoch sehr viel Orientierung. Das Bild schafft es, die Dynamik der Organisation in sich abzubilden.
    Liebe Grüße,
    Heinz Peter Wallner
    http://hpwallner.at

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