Sonntag, 26. Juli 2009

Philosophische Reflexion - von Bionik und Leadership

Auf meinem Weg zu einem Kunden fahre ich immer wieder in Niederösterreich an wunderschönen Sonnenblumenfeldern vorbei. Tausende bemerkenswerte Heliotropen (*) haben mich daher zu diesem Posting inspiriert.


Bionik – aus den Wörtern „Biologie“ und „Technik“ – bedeutet, dass wir von Naturprinzipien für andere Disziplinen lernen wollen. Diese Suche, was aus der Natur transferiert werden könnte, wird besonders durch die Ingenieurswissenschaften betrieben. Vom Flugzeugbau bis zur Leiterplattenfertigung werden von Funktionsprinzipien bis hin zu Molekularstrukturen die Ideen der Natur aufgegriffen. So konzipierte auch Leonardo da Vinci erste Fluggeräte. Ein guter Ansatz.

Was hat das mit Menschen, Leadership und komplexen Systemen zu tun?
Vielleicht mehr als Sie denken. Denn auch die Prinzipien der Selbstorganisation, Schwarmintelligenz und Informationsausbreitung kennen wir aus der Natur. Und letztlich sind wir selbst ein Teil der Natur. Bionik ist eine zusätzliche Ideenquelle für Entwicklungen in der Unternehmensführung und daher wertvoll. Fredmund Malik beschäftigt sich u.a. intensiver mit dem Thema Management Bionik.

Was ich an dieser Stelle gerne noch versuchen möchte - ohne Naturmetaphern 1:1 in Leadershipkonzepte zu übersetzen, denn dazu fühle ich mich der soziologischen Systemtheorie zu eng verbunden - ist eine (philosophische) Reflexion von Bionik und Leadership anzuregen. Der Nutzen daraus ist, dass Sie Ihre Erkenntnisse etwa als Anregungen für zukünftige Beobachtung sozialer Systeme, Ihres Unternehmens, eines Teams, einer Abteilung, etc. heran ziehen könnten.

Unser Studienobjekt: Sonnenblume
(Helianthus annuus)
  • Warum drehen sich alle Sonnenblumen im Feld freiwillig in Richtung der Sonne?
  • Wie schaffen sie es diese Ausrichtung im Wachstum ständig zu adaptieren?
  • Weshalb stehen Sie aber in ihrer Blütezeit dann fix in eine Richtung?
  • Welche Qualität hat die Sonne in diesem Zusammenspiel?
  • Wie schafft es die Sonne viele solcher Felder gleichzeitig auszurichten?
Ich freue mich auf Ihre Kommentare, wenn diese Fragen bei Ihnen etwas anregen…

* Die Eigenschaft der Sonnenblume, sich dem Sonnenlicht immer zuzuwenden, nennt man Heliotropismus (griechisch für "Hinwendung zur Sonne").

Freitag, 24. Juli 2009

Web 2.0 verbindet

Armin Wolf – seriös, professionell, wortgewandt, fundiert, beliebt, brillant, preisgekrönt –
Österreichs Top Anchorman der ZiB2 Nachrichten auf ORF…
…und: witzig, offen und schelmisch!

Die letzteren drei sind Qualitäten, die bis vor kurzem eher seinen Freunden und Kollegen vorbehalten waren, aber nun auch für zig-Tausende Twitter-Followers sichtbar werden. Etwa wenn Armin Wolf preis gibt, wie er bei über 30°C im ORF-Studio zur Sache geht. Von meiner Seite gibt das +100 Sympathie-Punkte Herr Wolf!

(c) Armin Wolf - Twitpic

Nun ist dieses Foto wunderbar erfrischend harmlos…
Doch was können wir daraus ableiten:
Web 2.0 verbindet uns Menschen in einer Art, wie sie zuvor nur im persönlichen Kontakt zu finden war, in einem Ausmaß und einer Geschwindigkeit wie sie bisher noch nie in der Geschichte möglich war. Innerhalb von Sekunden können wir über den gesamten Globus miteinander in Verbindung treten. Jeder mit jedem (mit Internetzugang). Was das bewirken wird weiß noch niemand wirklich, aber - so meine Hypothese - Web 2.0 wird etwas gravierendes mit unserer Gesellschaft machen.

Follow Armin Wolf on Twitter
Armin Wolf im ORF ZiB2 Tagebuch
Das Interview mit Armin Wolf von meinem Kollegen Ritchie auf Datadirt:
Der mit dem Wolf twittert


Mittwoch, 22. Juli 2009

Controlling ist in nutzlosen Projekten wichtig

In seinem neuen Artikel (IEEE Software 08/09 2009) über
Software Engineering: An Idea Whose Time Has Come and Gone?“ reflektiert Tom DeMarco (*) Aussagen, die er vor über 25 Jahren über Controlling und Metriken formulierte und kommt zum Schluss, dass diese nicht mehr relevant sind. Er bleibt statt dessen konsequent visionär:

Um den Stellenwert von Controlling heute zu verstehen, muss man zwei grundlegend unterschiedliche Arten von Projekten unterscheiden...
  • Projekt A:
    wird ca. 1,0 mio € kosten und einen Wert von ca. 1,1 mio € liefern
  • Projekt B:
    wird ca. 1,0 mio € kosten und einen Wert von über 50 mio € liefern
Was ist auffällig? Controlling wird für Projekt A sehr wichtig sein, für Projekt B jedoch ziemlich unwichtig. Je mehr Ihr Projekt auf Controlling fokussiert ist, desto größer ist also die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an einem Projekt arbeiten, das relativ geringen Nutzen liefern wird.

Softwareengineering ist ein sekundäres Anliegen, weil die Vorhersagbarkeit von Projektergebnissen nicht im Sinne der Innovationskraft ist. Der Fokus sollte auf der experimentellen Konzeption von Software liegen. Denn das wichtigste Ziel, das Software liefern kann ist Transformation, unsere Welt zu verändern, Unternehmen und wie wir Geschäfte machen.

(*) Tom DeMarco ist Autor zahlreicher Projektmanagementbücher, Referenzgröße in Führungskonzepten für Softwareentwicklungsteams und Gründer der Atlantic Systems Guild

In auszugsweiser, freier Übersetzung aus dem Originalartikel

Donnerstag, 16. Juli 2009

Brauchen wir bessere Projektmanager?

„Ich kenne keinen Top-Projektmanager, der in seiner Laufbahn nicht ein Projekt so richtig gegen die Wand gefahren hat.“

tröstete mich Erich Wlasak - einer meiner Lehrmeister – vor vielen Jahren. Viele von Ihnen werden die schmerzliche Erfahrung kennen. Oft geht es so weit, dass die beste Lösung ein Jobwechsel ist – u.a. weil der Projektmanager die beliebteste Projektionsfigur für alle Probleme ist, die mit einem gescheiterten Projekt assoziiert werden.

Was geht da genauer vor sich?


Tausende Projektmanager wurden für ihre Rolle bestmöglich ausgebildet, viele zertifiziert. Methoden, Standards, Tools und Soft Skills sind elaboriert und haben Verbreitung gefunden. Und Personalabteilungen haben zahlreiche Aktivitäten gesetzt. Thema erledigt!

All das ändert aber nichts an der Tatsache, dass laufend Projekte in Krisen geraten und Budgets und Zeitpläne maßlos überzogen werden. Woran liegt das? Vielleicht wurde ja der Hebel jahrelang am falschen Ende angesetzt?
Wenn wir für zwei unterschiedliche Problemlagen (siehe Bild) die verantwortliche Rolle benennen, erkennen wir: Aus Sicht des Unternehmens sind Projektmanager für die kleinere Problemdimension verantwortlich – jene im Inneren des Projektes. Trotzdem gilt „Projektmanagement“ als Synonym für das „Management von Projekten“. Das ist sowohl begrifflich irreführend als auch funktional unzulänglich.

Das Management von Projekten – besonders in einer relevanten Anzahl und Komplexität - ist sowohl eine Aufgabe innerhalb der Organisation als auch in den Projekten. Das Mindset: „Der Projektmanager löst die Probleme von Projekten“ ist sehr gefährlich. Der wesentlich gewichtigere Teil der Verantwortung liegt oft in einem blinden Fleck des Managements und wird daher in vielerlei Hinsicht unterversorgt: Problembewusstsein, Investitionsbereitschaft, Kompetenzaufbau, Kommunikation, Entscheidungsprozesse, etc.

Zukunftsfähig wären eine simultane Entwicklung der Projekt- und der Stammorganisation, sowie deren optimiertes Zusammenspiel. Das Management des Projektmanagements ist notwendig, damit Projekte zum stabilen Lösungskonzept und Wertschöpfungselement für Unternehmen werden.