Montag, 19. Juli 2010

Digital Natives sind...

Wie kommt es dazu, dass sich nach 1980 geborene zu Digital Natives entwickeln können und dass diese oft grundsätzlich anders ticken als vorhergehende Generationen.

Benjamin (6 Jahre, oben) eröffnete selbst diese Skypekonferenz.

Kleine Kinder
Ein paar Wochen nach den 80er Jahren ... meine beiden Söhne sind heute 4 Jahre und 6,5 Jahre alt. Und es fasziniert mich, was sie sich alles vorstellen können. Es ist für sie aber sehr schwierig bis unmöglich in ihrer derzeitigen Welt voller Selbstverständlichkeiten Unterscheidungen zu
treffen, die sie (noch) nicht kennen oder nicht in Verhältnis setzen können. Ein paar Beispiele dazu:
  • unser Jüngerer denkt, dass es noch Dinosaurier gab als Papa ein Kind war, weil: Dinosaurier sind vor ‚laaaanger‘ Zeit ausgestorben und Papa ist ja auch schon lange auf der Welt.
  • eine andere Schlussfolgerung: Weil es früher noch keine Handys gab, hat es in Papas Kindheit sicher auch keine Autos, keine Eisenbahnen, keine Flugzeuge und keine Hochhäuser gegeben.
  • vor kurzem erlebte ich mit unserem Älteren, welch hohe Vorstellungskraft (selbst meinerseits) es braucht, sich zu imaginieren, dass mittelalterliche Kathedralen OHNE Strom, Kräne, Muldenkipper und Bagger errichtet wurden.
  • Was ihnen gar nicht einleuchtet, ist die Tatsache, dass es früher KEIN Internet gab. Es ist für sie (als nicht objekthaftes Phänomen) - ähnlich wie Sprache oder Luft - nicht wegzudenken.
Digital Natives
Wir sprechen also von einem fundamentalen Selbstverständnis für das mobile Internet, wenn wir Digital Natives beschreiben, da diese Generation seit Geburt an von Internet- und Telekommunikationstechnologien umgeben war. Sie quasi wie Muttermilch aufgenommen hat und wie Luft geatmet hat. Für Digital Natives gibt es viele Unterschiede nicht mehr oder besser: diese Unterschiede sind nicht mehr relevant.

In einer groben Charakterisitik könnte man sagen: Digital Natives

  • nutzen vielfältige digitale Ressourcen, die online verfügbar sind
  • vernetzen sich konsequent
  • interagieren sozial sowohl online als auch face-to-face
  • orientieren sich mehr an Interessen und Respekt als an Hierarchie
  • bauen eine „online Reputation“ in ihren Netzwerken auf
  • produzieren Beiträge in ihren Communities ("prosumer")
  • kollaborieren über kulturelle grenzen hinweg (virtuell)
  • teilen Wissen und Information mit hoher Offenheit
  • sind aufmerksame Beobachter, was ihre Interessensfeldern betrifft
  • führen oft selbst (temporäre) Interessensgruppen an
  • kommunizieren bilateral vor allem in Echtzeit (instant)
  • verstehen ihr eigenes Verhalten als "die Normalität"
  • fühlen sich dadurch insgesamt nicht überfordert
Ein guter Indikator für deren Selbstverständnis für das Internet ist das Nichtvorhandensein. So wie uns der elektrische Strom nur bei einem Stromausfall bewusst wird, weil er uns sonst nicht in den Sinn kommt, ist das „offline sein“ eine Form der Bewusstwerdung. Das bedeutet zeitweise in einem Modus dieser "Limitierung" zu sein.

Die neuen Unterschiede lauten

  • „Online“ oder „Offline“ bzw.
  • „digital sozial vernetzt“ oder „nicht digital sozial vernetzt“
Und sie treffen auf uns alle zu.


Die (virtuelle) Realität
Digital Natives leben nicht in "ihrer isolierten eigenen Welt", wie das oft anachronistisch dargestellt wird. Was mit "virtuell" oft eine Assoziation von "unwirklich" hervorruft, sollte man daher rasch überdenken, denn Digital Natives leben und bewegen sich in unser aller realen Welt.Sie haben dafür jedoch eigene Perspektiven, Kommunikationsformen und Kulturaspekte zur Verfügung.


Kommentare:

  1. Hi, ich finde 1980 als Beginn der Digital Natives zu früh und würde eher Richtung 1990 gehen. Bin selbst Jahrgang 85 und kann mich noch gut an die Zeit ohne Handy, Internet und Computer in jedem Haushalt erinnern.
    Das ganze kam dann erst so Mitte der 90er,

    Gruß von der Generation Übergang.

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  2. Nachdem mit Digital Natives "Personen die mit ... aufgewachsen sind" - im Gegensatz zu "Personen die ... erst im Erwachsenenalter gelernt haben" gemeint ist, stimmt denke ich schon 1980 als frühester Geburtenjahrgang für Digital Natives.

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  3. ich habe das versucht im posting
    "Digitaler migrationshintergrund"
    http://blog.poczynek.org/2010/07/digitaler-migrationshintergrund.html
    zu illustrieren und bin dort zur metapher gekommen:
    "Wenn jemand vor 35 Jahren lernte mit Hammer auf Meißel umzugehen, ist er heute deswegen noch lange kein Diamantenschleifer."

    ...aber irgendwo versucht man trotzdem grenzen aufzuspühren. etwa über geburtsjahrgänge.

    was sicherlich NICHT zutrifft, wäre die behauptung, das alle nach 1980 geborene "digital natives" seien.

    sunshine!
    Jan A. Poczynek

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