Dienstag, 6. Juli 2010

Digitaler Migrationshintergrund

Wenn ich über „Digital Immigrants“ spreche, meine ich damit Personen, die vor 1980 geboren sind. Deren Kompetenz für digitale und mobile Kommunikationsmedien wurde zwangsweise erst in einem späteren (bewussten) Lernprozess - oft auch spielerisch - erworben, da diese Technologien erst ab den 80er-Jahren breiter verfügbar wurden. Zusätzlich ist der heutige Reifegrad digitaler Medien und Technologien - im Vergleich zu damals - wesentlich höher entwickelt. Zum Beispiel das bahnbrechende Videospiel "Pong" illustriert das recht markant. Oder man könnte auch sagen:
Wenn jemand vor 35 Jahren lernte mit Hammer auf Meißel umzugehen, ist er heute deswegen noch lange kein Diamantenschleifer.

"Pong" (c) 1972 Atari

Ein 'klassischer' Digital Immigrant

Ich zum Beispiel.
Meine persönliche Leidenschaft für die digitale Welt startete „erst“ in frühen Jugendjahren Anfang der 80er. Die Faszination der Arcade Games gefolgt von Home Video Gaming auf dem Atari 2600VCS und Programmierung am Commodore C64 waren meine ersten Zugänge. Das spätere Elektrotechnik- und Informatikstudium an der TU Wien, das Interesse für Consumer Electronics und mein Job bei IBM setzten die Begeisterung fort und spätestens seit einem Besuch am M.I.T. medialab 1992 war mir „Being Digital“(*) – das Nicholas Negroponte kurz darauf in seinem Buch formulierte – ein schlüssiger Begriff geworden, der mich bis heute begleitet.

Der Unterschied der "Natives"
Wenn jemand eine Sprache exzellent beherrscht, aber nicht zweisprachig aufgewachsen ist, dann scheiden sich die Geister, ob man dafür den Begriff „Native Speaker“ verwenden sollte.
Ich meine: definitiv nein.
Eine tiefe (auch kulturelle) Verwurzelung des Verständnisses kommt – nach meinem Empfinden – nämlich daher, dass wir eine Kompetenz (hier die Medienkompetenz) oder Fähigkeit nicht in Ergänzung zum Vorhandenen erlernen und sie auf dessen Basis erklären, sondern dass eine Kompetenz oder Fähigkeit vom Beginn an – d.h. ursprünglich – da ist und in voller Selbstverständlichkeit erfahren und gefördert wird.

Diese Begrifflichkeit der "Natives" (übersetzt: eingeboren, heimisch, natürlich) aus dem Kultur- und Sprachverständnis lässt sich also sehr gut auf die Beschreibung einer Kommunikationskultur der "Digital Natives" übertragen.

* Negroponte N. (1995), "Being Digital", USA (Knopf Publishing)


1 Kommentar:

  1. Ich hatte im Alter von 6 oder so Pong für'n Fernseher. Nur für ein paar Tage ausgeliehen, weils sonst zu teuer war. /me ist ein Pong-Native ;-)

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