Donnerstag, 4. November 2010

Sind wir Avatare?

Ein Avatar – im weitesten Sinn des Hinduismus - ist eine personifizierte Gottheit.
In computerbasierten Annwendungen und Spielen ist das meist eine grafische Figur, die sich als Stellvertreter einer Person in den diversen ‚Erlebnisräumen‘ bewegt und dort mit anderen interagiert.

Ich konnte mir das lange nicht sehr plastisch vorstellen, bis ich diesen TED-Talk erstmals sah.




Das Video ist von der ersten bis zur letzten Sekunde sehenswert. Ein Lehrbeispiel für visionäres Denken, das ich gerne in Führungstrainings verwende. James Cameron – Regisseur des erfolgreichsten Films aller Zeiten „Avatar“ – erklärt unter anderem in diesem Vortrag, warum er an die Zukunft der Avatare glaubt @ 9‘40“:

„Für die Dreharbeiten der Eröffnungssequenz von 'Titanic' tauchten wir mit einem U-Boot zum Schiffswrack. Von dort aus lenkte ich ein mit Scheinwerfer und Kamera ausgestattetes Mini-U-Boot ferngesteuert ins Wrack. 

Und nun, da bin ich: an Deck innerhalb der gesunkenen Titanic. Mein Bewusstsein war IN diesem Vehikel. Ich fühlte mich, als wäre ich physisch präsent im Schiffswrack. Und dann hatte ich das surrealste Deja-Vu, weil ich wusste genau, wenn ich nun um die Ecke ‚gehe‘ wie es da aussehen würde - noch bevor es der Lichtkegel freigab - schließlich habe ich Monate am nachgebauten Filmset verbracht. Damit machte ich die tiefe Erfahrung der Telepräsenz und dass man sein Bewusstsein in ein anderes, robotisches Vehikel injizieren kann.“  (sinngemäß übersetzt)

Ich Teile seine Meinung, auch wenn ich dem Kerl da unten mein Bewusstsein noch nicht so ganz injizieren konnte.  ;o)


@poczynek

Nach dem Hype von SecondLife seit 2003 wurde dieser Trend zuletzt von vielen wieder totgesagt. Das ist ein Irrtum. Zum einen wird SecondLife weiterhin aktiv verwendet und zum anderen entstehen laufend neue Konzepte und technisch ausgereiftere Lösungen, wie etwa das virtuelle Europäische Parlament Citzalia oder die neue virtuelle Welt der Sony Playstation Home.  

Warum ist das relevant?
Dass sich unsere Kommunikation im Computerzeitalter dramatisch verändern wird, haben Sie auf diesem Blog schon öfter als 1-2 mal gelesen. Damit wird sich aber auch unsere Interaktion dramatisch verändern. Für Kontexte wie Trainings, Projektarbeit in virtuellen Teams, Führung in internationalen Matrixorganisationen oder allgemein globale Teambildungen werden völlig neue Möglichkeiten entstehen. 

Da wird es besonders für internationale Unternehmen - abseits eines spannenden Kinobesuches - dann schon um einiges interessanter.

Einige weiterführende Blog-Postings im Thema sind:
Virtuelle Teams
Digital Natives sind...
Digital Mindshift I


Kommentare:

  1. finde den talk von cameron leider nicht wirklich gewinnbringend sondern eher kategorie nähkästchen plaudern, dass man sein Bewusstsein in ein technisches Gerät oder einen Avatar projeziert ist ja nichts neues sondern in der "cyborg" literatur schon seit gut 20 jahren common sense, gerade aber weil ich in diese richtung forsche würden mich dann doch weitere ausführungen deiner gedanken zu second life, avatar, cyberspace virtual reality etc interessieren, weil das eine interessante diskussion werden könnte
    rhizomorph

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  2. hi rhizomorph,

    das thema "virtual reality" hat mich vor knapp 20 jahren zu beschäftigen begonnen, als ich Gibson's "Neuromancer" gelesen habe und am M.I.T. media lab zu besuch war.

    richtig - ad Cameron meinte ich mit "lehrbeispiel" damit nicht den dezitierten inhalt sondern sein visionäres denken und wie er sein leben - einer vision und leidenschaft folgend - gestaltet hat. nicht ganz unerfolgreich.

    avatare jedoch...
    was die innovation betrifft, bin ich überzeugt, dass wir mit dem konzept der avatare in ihrer *anwendung* ja erst in den kinderschuhen stecken. diesbezüglich gehe ich in zukunft davon aus, dass es zu höherer:
    * akzeptanz durch anwender
    * verbreitung und usability
    * einsatzbereichen
    * einsatz professioneller kontexte
    kommen wird. aus meiner sicht sind die signale dafür bereits deutlich vorhanden.

    sunshine!
    Jan

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  3. Ich finde vor allem die Praesentationstechnik sehr gut mit der er auf die Zuhoerer eingeht, und ich teile auch einige seiner Enthusiastischen Vorstelleungen. Wenn man sich auch neues gebiet begibt und das gilt nicht nur fuer den Filmmarkt, dann hat man immer ein gewisses Mass an Risiken einzugehen. Um sich dafuer zu wappnen, ist es essentiell notwendig, ein vertraunesvolles Team um sich zu scharen, egal ob das im Filmgeschaeft, bei Entdeckungsreisen oder einfach nur im Projektmanagement notwendig ist!

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  4. @Alexander
    dem stimme ich ganz zu.

    was ich zusätzlich eindrucksvoll finde, ist das erfolgsniveau auf dem J.Cameron operiert.
    "one hit wonders" gab es ja schon viele, aber diese serie von erfolgen ist einzigartig.

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