Samstag, 31. Juli 2010

„digitales managen“ – Symposium in Wien

Wie Facebook, Twitter & Co. Entscheidungen und Kommunikation in Unternehmen verändern

Eine Frage, die
sich Führungskräfte und Berater stellen sollten:
Sind Social Media Kinderspielzeug und Freizeitvernichtung oder ein relevanter Treiber für zukünftige Entwicklungen in Organisationen? Und damit Teil einer Management Agenda?
















Das Ziel
Die Veranstaltung richtet sich an Führungskräfte, Managerinnen, Beraterinnen und Web 2.0-Interessierte, die Anwendungsfelder und Einfluss von Social Media in Organisationen kennenlernen und diskutieren wollen, sowie Impulse für die eigene Arbeit generieren.

Folgende Fragestellungen wollen wir interaktiv bearbeiten:

  • Wie sehen aktuelle Entwicklungen der Social Media Landschaft aus?
  • Welche Chancen und Risiken stecken hinter Vernetzung und Transparenz?
  • Welche Anwendungsmöglichkeiten und Erfahrungen gibt es bereits in Unternehmen?
  • Welche unterschiedlichen Sichtweisen haben Experten und Digital Natives auf diese Entwicklungen?
  • Welche Auswirkungen haben Social Media auf Management-Funktionen wie Strategie, Innovation, HR, Marketing & Sales, Corporate Communication u.a. bis hin zu Wertschöpfungsprozessen?
Die Referenten
  • Luca Hammer (Blogger)
  • Bernhard Heinzlmaier (Jugendkulturforscher, Universität Wien)
  • Haymo Meran (Gentics)
  • Jan A. Poczynek (Organisationsberater & Blogger)
  • Dieter Rappold (vi knallgrau)
  • Werner Reiter (A1 Telekom)
  • Thomas Siegner (Cirquent)
  • Gerhard Hochreiter und Gerald Mitterer (Beratergruppe Neuwaldegg)
Details zur Veranstaltung
Wann: Freitag 24. September 2010, 10-19.00 Uhr
Wo: Wien, Terrasse am Kahlenberg
Preis: € 290,- (exkl. 20 % MWSt., inkl. Verpflegung)
Anmeldung: via Email

Es freut mich sehr, dieses Symposium mit der Beratergruppe Neuwaldegg gemeinsam zu veranstalten. Weitere Informationen finden Sie auf der detaillierten Veranstaltungsseite oder sehr gerne in einem persönlichen Gespräch.

Einige weiterführende Blog-Postings zum Thema sind:

Blogparade: „digitales managen“
Web 2.0 - Information & Evolution
Digital Mindshift I
Sind Digital Social Networkers professionell ernst zu nehmen?

Montag, 19. Juli 2010

Digital Natives sind...

Wie kommt es dazu, dass sich nach 1980 geborene zu Digital Natives entwickeln können und dass diese oft grundsätzlich anders ticken als vorhergehende Generationen.

Benjamin (6 Jahre, oben) eröffnete selbst diese Skypekonferenz.

Kleine Kinder
Ein paar Wochen nach den 80er Jahren ... meine beiden Söhne sind heute 4 Jahre und 6,5 Jahre alt. Und es fasziniert mich, was sie sich alles vorstellen können. Es ist für sie aber sehr schwierig bis unmöglich in ihrer derzeitigen Welt voller Selbstverständlichkeiten Unterscheidungen zu
treffen, die sie (noch) nicht kennen oder nicht in Verhältnis setzen können. Ein paar Beispiele dazu:
  • unser Jüngerer denkt, dass es noch Dinosaurier gab als Papa ein Kind war, weil: Dinosaurier sind vor ‚laaaanger‘ Zeit ausgestorben und Papa ist ja auch schon lange auf der Welt.
  • eine andere Schlussfolgerung: Weil es früher noch keine Handys gab, hat es in Papas Kindheit sicher auch keine Autos, keine Eisenbahnen, keine Flugzeuge und keine Hochhäuser gegeben.
  • vor kurzem erlebte ich mit unserem Älteren, welch hohe Vorstellungskraft (selbst meinerseits) es braucht, sich zu imaginieren, dass mittelalterliche Kathedralen OHNE Strom, Kräne, Muldenkipper und Bagger errichtet wurden.
  • Was ihnen gar nicht einleuchtet, ist die Tatsache, dass es früher KEIN Internet gab. Es ist für sie (als nicht objekthaftes Phänomen) - ähnlich wie Sprache oder Luft - nicht wegzudenken.
Digital Natives
Wir sprechen also von einem fundamentalen Selbstverständnis für das mobile Internet, wenn wir Digital Natives beschreiben, da diese Generation seit Geburt an von Internet- und Telekommunikationstechnologien umgeben war. Sie quasi wie Muttermilch aufgenommen hat und wie Luft geatmet hat. Für Digital Natives gibt es viele Unterschiede nicht mehr oder besser: diese Unterschiede sind nicht mehr relevant.

In einer groben Charakterisitik könnte man sagen: Digital Natives

  • nutzen vielfältige digitale Ressourcen, die online verfügbar sind
  • vernetzen sich konsequent
  • interagieren sozial sowohl online als auch face-to-face
  • orientieren sich mehr an Interessen und Respekt als an Hierarchie
  • bauen eine „online Reputation“ in ihren Netzwerken auf
  • produzieren Beiträge in ihren Communities ("prosumer")
  • kollaborieren über kulturelle grenzen hinweg (virtuell)
  • teilen Wissen und Information mit hoher Offenheit
  • sind aufmerksame Beobachter, was ihre Interessensfeldern betrifft
  • führen oft selbst (temporäre) Interessensgruppen an
  • kommunizieren bilateral vor allem in Echtzeit (instant)
  • verstehen ihr eigenes Verhalten als "die Normalität"
  • fühlen sich dadurch insgesamt nicht überfordert
Ein guter Indikator für deren Selbstverständnis für das Internet ist das Nichtvorhandensein. So wie uns der elektrische Strom nur bei einem Stromausfall bewusst wird, weil er uns sonst nicht in den Sinn kommt, ist das „offline sein“ eine Form der Bewusstwerdung. Das bedeutet zeitweise in einem Modus dieser "Limitierung" zu sein.

Die neuen Unterschiede lauten

  • „Online“ oder „Offline“ bzw.
  • „digital sozial vernetzt“ oder „nicht digital sozial vernetzt“
Und sie treffen auf uns alle zu.


Die (virtuelle) Realität
Digital Natives leben nicht in "ihrer isolierten eigenen Welt", wie das oft anachronistisch dargestellt wird. Was mit "virtuell" oft eine Assoziation von "unwirklich" hervorruft, sollte man daher rasch überdenken, denn Digital Natives leben und bewegen sich in unser aller realen Welt.Sie haben dafür jedoch eigene Perspektiven, Kommunikationsformen und Kulturaspekte zur Verfügung.


Dienstag, 6. Juli 2010

Digitaler Migrationshintergrund

Wenn ich über „Digital Immigrants“ spreche, meine ich damit Personen, die vor 1980 geboren sind. Deren Kompetenz für digitale und mobile Kommunikationsmedien wurde zwangsweise erst in einem späteren (bewussten) Lernprozess - oft auch spielerisch - erworben, da diese Technologien erst ab den 80er-Jahren breiter verfügbar wurden. Zusätzlich ist der heutige Reifegrad digitaler Medien und Technologien - im Vergleich zu damals - wesentlich höher entwickelt. Zum Beispiel das bahnbrechende Videospiel "Pong" illustriert das recht markant. Oder man könnte auch sagen:
Wenn jemand vor 35 Jahren lernte mit Hammer auf Meißel umzugehen, ist er heute deswegen noch lange kein Diamantenschleifer.

"Pong" (c) 1972 Atari

Ein 'klassischer' Digital Immigrant

Ich zum Beispiel.
Meine persönliche Leidenschaft für die digitale Welt startete „erst“ in frühen Jugendjahren Anfang der 80er. Die Faszination der Arcade Games gefolgt von Home Video Gaming auf dem Atari 2600VCS und Programmierung am Commodore C64 waren meine ersten Zugänge. Das spätere Elektrotechnik- und Informatikstudium an der TU Wien, das Interesse für Consumer Electronics und mein Job bei IBM setzten die Begeisterung fort und spätestens seit einem Besuch am M.I.T. medialab 1992 war mir „Being Digital“(*) – das Nicholas Negroponte kurz darauf in seinem Buch formulierte – ein schlüssiger Begriff geworden, der mich bis heute begleitet.

Der Unterschied der "Natives"
Wenn jemand eine Sprache exzellent beherrscht, aber nicht zweisprachig aufgewachsen ist, dann scheiden sich die Geister, ob man dafür den Begriff „Native Speaker“ verwenden sollte.
Ich meine: definitiv nein.
Eine tiefe (auch kulturelle) Verwurzelung des Verständnisses kommt – nach meinem Empfinden – nämlich daher, dass wir eine Kompetenz (hier die Medienkompetenz) oder Fähigkeit nicht in Ergänzung zum Vorhandenen erlernen und sie auf dessen Basis erklären, sondern dass eine Kompetenz oder Fähigkeit vom Beginn an – d.h. ursprünglich – da ist und in voller Selbstverständlichkeit erfahren und gefördert wird.

Diese Begrifflichkeit der "Natives" (übersetzt: eingeboren, heimisch, natürlich) aus dem Kultur- und Sprachverständnis lässt sich also sehr gut auf die Beschreibung einer Kommunikationskultur der "Digital Natives" übertragen.

* Negroponte N. (1995), "Being Digital", USA (Knopf Publishing)


Digital Natives of the 21st Century

Digital Natives des 21. Jahrhunderts – viele von ihnen gehen noch nicht mal in die Schule – haben einen völlig selbstverständlichen Zugang zu Internet und Mobilität der Kommunikation. Ich habe zwei wunderbare „Exemplare“ zuhause und lerne täglich von ihnen.

„Bob der Baumeister“ ist eingetragenes Markenzeichen der HIT Entertainment Ltd

Der Unterschied der einen Unterschied macht.
Benjamin (6,5 Jahre - im Urlaub mit mir am Pool spielend):
„Papa, wie gehen die Spielregeln von Dame?“
Ich (nachdenklich): „Hmmm - das hab ich vergessen. Ich weiß es nicht.“
Benjamin: „Papa, dann schauen wir jetzt bitte im Internet nach!“

...oder
Florian (4 Jahre): „Papa, ich mag mir den Bob der Baumeister anschauen.“
Ich (tröstend): „Flori, der ist leider schon aus. Der war vor einer Stunde.“
Florian: „Na dann dreh‘ ihn mir auf Juutjuuup auf!“

Muttermilch
Es ist schon erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit und Geschwindigkeit meine Söhne bereits auf „digitale“ Handlungsoptionen zugreifen. Und das bevor sie noch Lesen und Schreiben gelernt haben oder zur Schule gehen - oder vielleicht deshalb!?
Obwohl ich mich als Web 2.0-affin und „frühen Digital Immigrant“ bezeichne, werde ich den „Muttermilchstellenwert“, den digitale Medien für diese Generation haben, nie mehr aufholen.

Fazit
Das tradierte Konzept: "Die Jungen lernen von den Älteren, wie die Welt funktioniert" ist aus meiner Sicht - spätestens seit Erfindung der Videorecorder-Fernbedienungen - längst überholt.
Für mich gilt es viel mehr von Digital Natives zu lernen, wie neue Medienkompetenzen unsere Kommunikation verändern (werden), ihre Perspektiven als wertvolle Bereicherung zu verstehen und eine möglichst gute kulturelle Annäherung der digitalen Generationen zu fördern.