Dienstag, 7. Mai 2013

“Nichtwissenwollen” - ein Managementstil


Kennen Sie dieses „Syndrom“, dass manche Manager eine völlig gegensätzliche Sichtweise auf Sachverhalte pflegen und(!) beibehalten als der „Rest der Welt“


Zum Beispiel meine ich damit: die Bewertung einer Situation, den Glauben an die Realisierbarkeit von Zielen, die antizipierte Auswirkung von Problemstellungen oder die Einschätzung von Machbarkeit. In meiner eigenen Managementerfahrung und bei Beratung und Coaching von Führungskräften ist mir dieses „Syndrom“ vielfach untergekommen. 


Realität verweigern 
Nun unterstelle ich niemals a priori „Unfähigkeit“, also kann das kein Zufall sein. Wahrscheinlich ist es für Manager einfach oft besser, sich der „Realität“ mit einer rosa Brille zu nähern, oder sie durch Scheuklappen zu fokussieren, oder sie manchmal völlig zu verweigern. 


Warum? 
Das Gegenteil – die nackten Tatsachen – würden hohe mentale Schmerzen verursachen, etwa das Eingeständnis, dass man die Situation nicht „unter Kontrolle“ hat oder sogar damit überfordert ist und folglich eine Angst vor dem eigenen Scheitern auslösen. 


Was bringt es? 
Ich glaube, nach langjährigen Feldstudien und Beobachtungen in unterschiedlichsten Organisationskontexten, dass viele Manager wirklich nicht wissen wollen, warum etwas nicht gut läuft oder gar nicht funktioniert. Es hilft ihnen. Es würde sie nämlich sonst viel zu sehr belasten und in ihrer (vermeintlichen) Handlungsfähigkeit einschränken. So ist das "Nichtwissenwollen" eine relativ gebräuchliche und hoch taugliche Filterfunktion für Führungskräfte, um ihrer Rolle gerecht zu werden. Es hilft die enorme Alltagskomplexität in Managementfunktionen zu reduzieren und die eigene Überforderungsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren. So bewahrt man die Illusion, wie ein Maschinist stets „die Hebel in der Hand zu haben“, Situationen unter Kontrolle zu behalten und diese immer ausreichend steuern zu können – das erfüllt ein narzisstisches Grundbedürfnis (Selbstbestätigung), beruhigt sehr und macht sogar zufrieden.


Was kostet es? 
Die langfristige Praxis dieses Stils erfordert eine mentale Grundhaltung, die ich sehr kritisch finde, denn Sie stellt das Ego des Managers in den Vordergrund und nicht seinen Nutzen für die Organisation, sie benötigt ein hohes Maß an (sozialer) Ignoranz und generiert als „Nebeneffekt“ einen hohen Preis - wie etwa: Verlust von Glaubwürdigkeit, reduziertes Vertrauen, Frustration, Mitarbeiterfluktuation, Eskalation kleiner Probleme, gescheiterte Projekte, Machtkämpfe, usw.

Aber mehr dazu demnächst… 
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1 Kommentar:

  1. Jan, spannender Beitrag! Da habe ich ganz ähnliche Beobachtungen gemacht. In einem eigenen Blogbeitrag habe ich das Thema aus der kollektiven Sicht des Leitungsgremiums beschrieben: http://blogerey.ch/2011/10/11/fehler-beim-jahresruckblick/

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